
„Ich wusste nicht, wer meine Eltern waren.“
Unterrichtsmaterialien zum Lebensschicksal von Kindern auf der Grundlage des alliierten Kindersuchdienstes
Nach Ende des 2. Weltkrieges lebten in Europa mehr als zehn Millionen Displaced Persons (DPs); Menschen, die von den Alliierten aus Konzentrations- und anderen Haftlagern befreit worden waren und nun entweder wieder in ihre Heimatländer zurückgebracht wurden oder auswandern wollten. Unter diesen durch das nationalsozialistische Deutschland entwurzelten Menschen befanden sich auch Kinder ohne jede Angehörige.
Für diese Gruppe der NS-Opfer wurde der Child Search Branch eingerichtet, dessen Aufgabe es unter anderem war, die Kinder zu betreuen und nach Angehörigen zu suchen. Das Lebensschicksal dieser Kinder dokumentiert sich in den Akten, die heute im Bestand des International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen befinden.
Auf der Basis dieser Dokumente entstand in einem zweisemestrigen Projekt in Kooperation zwischen der Universität Kassel/ FB Erziehungswissenschaften und dem ITS Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe I und II.
Die Unterrichtseinheiten stehen zum Download (pdf) bereit:
- Begleitmaterial
- Fotobogen
- Station 1: Der Lebensborn und die NS-Rassenideologie
- Station 2: „Ich bin ins Dunkle gefahren." Zwangsarbeit im NS-Deutschland
- Station 3: UNRRA - eine Hilfsorganisation der Vereinten Nationen
- Station 4: Displaced Persons und alliierte Nachkriegspolitik
- Station 5: Sofia und Janusz Karpuk - nach Deutschland verschleppt
- Station 6: Elfriede Kolbakowska - Kind einer Zwangsarbeiterin
- Station 7: Salek Benedikt - Überlebender des Holocaust
- Station 8: Jankiel Klaimann - ein Neuanfang im Kinderzentrum Indersdorf
"Ich bin alleine zwischen fremden Menschen"
Unterrichtsmaterial zu Kindern und Jugendlichen als Verfolgte und Opfer des nationalsozialistischen Deutschland
Die NSDAP forderte eine Jugend „flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“. Kinder und Jugendliche, die nicht dem nationalsozialistischen Menschenbild entsprachen oder nicht zu der nun konstruierten „Volksgemeinschaft“ gehören sollten, wurden ausgegrenzt, der Schulen und Sportvereine verwiesen, später in Ghettos und Konzentrationslager deportiert, zur Zwangsarbeit verpflichtet oder ermordet.
Dies betraf unter anderen jüdische Kinder, Kinder von Sinti und Roma, aber auch Kinder, deren Eltern im Widerstand gegen die Nazis aktiv waren oder als Zwangsarbeiter verschleppt wurden. Auch oppositionelle Jugendliche, die sich gegen die erzieherischen Maßnahmen der Nazis aussprachen oder solchermaßen agierten, waren von Repressalien oder der Einweisung in Erziehungsanstalten, Gefängnisse und KZ betroffen.
Die Materialien enthalten Biografien verschiedener Opfergruppen. Ihre Schicksale sollen Gleichaltrige und multi-ethnische Lerngruppen ansprechen und ihre Empathie wie auch ihr Interesse an dem Thema wecken. Die Materialien sind in vier Abschnitte unterteilt, die ergänzt werden durch eine Einführung und Anhänge mit einer Zeitliste, einer Dokumentensammlung, einem Glossar sowie Literatur-, Web- und Filmtipps. Zugleich gibt es eine Reflexion zum Umgang mit dem Thema heute im Hinblick auf Menschenrechte und Entschädigungsfragen.
Geeignet ist das Unterrichtsmaterial für Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren. Es kann im Rahmen des normalen Unterrichts, aber auch als mehrtägige Projektarbeit eingesetzt werden. Die Unterrichtsmaterialien auf CD-Rom können gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro über ein Bestell-Formular angefordert werden.


