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Der 1903 im schwäbischen Hermaringen geborene Johann Georg Elser hatte fünf Geschwister und stammte aus einfachen Verhältnissen. Er war ein deutscher Kommunist, Einzelgänger und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der am 8. November 1939 im Münchener Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Adolf Hitler und weitere Mitglieder der NS-Führung verübte. Kurz vor Kriegsende wurde Elser auf Hitlers Befehl hin ermordet.
Elser besuchte die Volksschule und begann 1919 eine Schreinerlehre. Bereits 1922 schloss er die Lehre als Prüfungsbester ab. Zwischen 1925 und 1932 zog er durch Süddeutschland und die Schweiz und nahm Gelegenheitsarbeiten an. Einen Wohnsitz nahm Elser in Konstanz, wo 1930 auch sein einziges Kind, ein Sohn mit Namen Manfred, zur Welt kam.
Der Schwabe sympathisierte mit den Kommunisten. 1928 trat er in den Roten Frontkämpferbund ein. Zugleich wurde er Mitglied im Zitherclub und spielte bei Tanzveranstaltungen auf. Zwischen 1932 und 1937 wechselte er erneut mehrfach die Arbeitsstellen. Sein Hauptwohnsitz war nun in Königsbrunn, wohin er immer wieder zurückkehrte.
Der Mensch Elser war ein Einzelgänger, der sowohl privat wie politisch größten Wert auf seine Unabhängigkeit und seinen Individualismus legte und zugleich über einen extremen Gerechtigkeitssinn verfügte. Trotz seiner Mitgliedschaft im Roten Frontkämpferbund und obgleich er bis 1933 die KPD wählte, war er nicht dogmatisch oder in besonderem Maße in den politischen Verbänden engagiert.
Die NS-Herrschaft sah er kritisch und insbesondere den Weg Deutschlands in einen Krieg wollte er aufhalten. „Ich wollte ja auch durch meine Tat ein noch größeres Blutvergießen verhindern“, äußerte Elser nach dem missglückten Attentat. Am 8. November 1938 reiste er nach München, um zum Jahrestag des Hitler-Putsches von 1923 die Situation während der Feierlichkeiten im Bürgerbräukeller zu beobachten. Seine Pläne, dort ein Attentat auf die NS-Führungselite und den inneren Kreis der Partei zu verüben, nahmen Gestalt an.
Elser begann mit systematischen Vorbereitungen, die ein Jahr später in dem Attentat mündeten. An seiner Arbeitsstelle in einer Armaturenfabrik in Heidenheim, wo auch eine geheime Abteilung zur Rüstung besteht, entwendete er Sprengstoff und versteckte diesen in Form von Presspulver bei sich Zuhause. Zugleich entwarf Elser die Pläne für den Sprengkörper und den Zünder – einen Zeitzünder mit zwei Uhrwerken. Er wechselte aus taktischen Gründen erneut seinen Arbeitsplatz und nahm eine Arbeit in einem Steinbruch bei Königsbronn an, wo er mehr als 200 Sprengpatronen und -kapseln mitgehen ließ.
Ein Arbeitsunfall versetzte ihn in die Lage, die Arbeit verlassen zu können und so nahm er im Sommer 1939 eine Wohnung in München. An rund 30 Abenden ließ sich der Schreinermeister nun, verborgen auf der Galerie im Bürgerbräukeller, einschließen, um den Sprengsatz anzubringen. Zwischen August und November 1939 präparierte er die Säule über Hitlers Rednerpult und war Anfang November 1939 fertig. Der Zündapparat war mehrere Tage im Voraus einzustellen und so programmierte er ihn auf den Abend des 8. November. Einen Fluchtweg in die Schweiz prüfte der Einzelkämpfer zu dieser Zeit ebenfalls, um sich nach dem Attentat absetzen zu können. Am 6. November verließ Elser München.
Am Abend des 8. November fand, wie seit 1933 üblich, die Versammlung zur Erinnerung an den Putschversuch von 1923 statt, doch Hitler sprach erheblich kürzer als bei den vorangegangenen Feiern. Circa eine Viertelstunde vor der Explosion verließ er bereits, gemeinsam mit anderen aus der NS-Spitze, den Raum. Gegen 21.20 Uhr explodierte der Sprengsatz, und dort, wo noch kurz zuvor Hitler gestanden hatte, war nun nichts weiter als ein meterhoher Schutthaufen zu sehen. Acht Tote und mehr als 60 Verletzte waren zu zählen, doch die NS-Führungsriege war nicht darunter.
Die Ermittlungen liefen binnen Kurzem auf Hochtouren, und es brachen sich wilde Verschwörungstheorien wie auch Dutzende Denunziationen Bahn. Erst Tage nach dem Anschlag gab es jedoch erste Hinweise auf „einen Handwerker“, der sich in den Wochen zuvor ständig im Bürgerbräukeller aufgehalten haben soll. Zu diesem Zeitpunkt war Elser bereits verhaftet worden. Am Tag des Anschlags – und zwar noch vor dem Anschlag selbst – hatten ihn in Konstanz zwei Zollbeamten festgenommen, weil er illegal in die Schweiz einreisen wollte. Elser erregte auf Grund seines Gepäcks Verdacht, wurde, nachdem das Attentat bekannt gegeben worden war, nach München gebracht und dort von der Gestapo gefoltert.
Die meisten Angehörigen Elsers wurden in „Sippenhaft“ genommen und ebenfalls verhört, aber nach einigen Wochen auch wieder frei gelassen. Auch Bürger aus Königsbronn wurden von der Gestapo vernommen, doch einem wie auch immer gearteten „Netzwerk“ um Elser kam man nicht auf die Spur. Die Gestapo inhaftierte auch den Besitzer des Steinbruchs, bei dem der Widerstandskämpfer den Sprengstoff entwendet hatte, für mehr als ein Jahr in einem KZ.
Die Verhöre Elsers gingen parallel weiter. In der Nacht vom 13. auf den 14. November 1939 legte der Schreinermeister ein ausführliches Geständnis ab; dass er die Tat alleine plante, wurde ihm nun geglaubt. Die Verhöre liefen weiter – eine Vernehmung am 21. November dauerte fast 15 Stunden. Das Protokoll dieser Verhöre entdeckte der Historiker Lothar Gruchmann in den 1960ern in den Akten des Reichsjustizministeriums. Nicht nur die Ideale Elsers werden aus diesen Verhörprotokollen ersichtlich, es sind auch die Skizzen der Sprengsätze und Zünder dort enthalten. Bis Kriegsende war der Nachbau des Sprengkörpers, den Elser in der Haft anfertigte, im Übrigen Bestandteil der Lehrmittelsammlung des Reichssicherheitshauptamtes.
Ein Prozess gegen Elser wurde nicht eröffnet; vielmehr wünschte die NS-Führung nach Ende des Krieges einen Schauprozess. Deshalb wurde der Hitler-Attentäter ab 1940 als „Sonderhäftling“ im Zellenbau des KZ Sachsenhausen gefangen gehalten. Zwei SS-Männer wurden zu seiner Bewachung ständig abgestellt. Er verbrachte die Zeit in kompletter Isolationshaft. Ende 1944 / Anfang 1945 wurde Elser in das KZ Dachau verlegt und auch dort unter schwerer Bewachung im Zellenbau in Isolation gefangen gehalten.
Am 9. April 1945 ermordete die SS Johann Georg Elser im KZ Dachau. Ein Schauprozess war nicht mehr möglich, und er sollte als Attentäter, der der Tötung Hitlers ähnlich wie die Männer und Frauen des 20. Juli am nächsten kam, nicht überleben. Am selben Tag ermordete die SS Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Karl Sack und Hans von Dohnanyi sowie weitere Widerständler des 20. Juli. Durch den Zeitpunkt des Mordes wird deutlich, dass Elser wie die anderen Hingerichteten zu den bedeutendsten Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus zu zählen ist.
Die Angehörigen des getöteten Elser erfuhren nach Kriegsende nichts über dessen Schicksal; erst 1950 wurde er für tot erklärt. Die Familie musste sich zudem immer wieder gegen Verleumdungen zur Wehr setzen, er sei ein Verräter oder auch ein Werkzeug der Nazis gewesen. Erst in den späten 1980ern begann eine Würdigung Elsers, dieses - wie Professor Peter Steinbach schreibt - „einsamen Attentäters“.
Im ITS findet sich ein T/D-Fall Nummer 145391, der auf Grund einer Anfrage der Schwester Elsers, Maria Hirth, angelegt wurde. Auch über die in die Verhöre und die Festnahme involvierten Täter sind Dokumente zu finden. Auf Grund dessen, dass Elser ein „Sonderhäftling“ war, sind jedoch keine Registraturen der üblichen Art in den Beständen zu den KZ Sachsenhausen und Dachau erhalten.
Literaturauswahl
Doris Ehrhardt, Verfemt, verdrängt, verehrt: Johann Georg Elser, Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Eine Untersuchung der politischen Haltung des Hitler-Attentäters und seiner politischen Bewertung in Deutschland von 1939 bis 1995, Diplomarbeit am Fachbereich Politische Wissenschaft der Universität Hamburg, Hamburg 1996.
Georg-Elser-Arbeitskreis (Hrsg.): Gegen Hitler - gegen den Krieg! Georg Elser. Der Einzelgänger, der frei und ohne Ideologie, auf sich selbst gestellt, bereit war zum Eingriff in die Geschichte, Heidenheim 1989.
Georg-Elser-Gedenkstätte Königsbronn (Hrsg.): Die Akte Elser, Königsbronn 2000.
Lothar Gruchmann (Hrsg.): Johann Georg Elser. Autobiographie eines Attentäters. Der Anschlag auf Hitler im Bürgerbräu 1939, Stuttgart 1989.
Hallmut G. Haasis, „Den Hitler jag ich in die Luft“. Der Attentäter Georg Elser. Eine Biographie, Reinbek b. Hamburg 2001.
Helmut Ortner, Der Attentäter. Georg Elser, der Mann, der Hitler töten wollte, Tübingen, überarb. u. erw. Neuaufl. 1999.
Ulrich Renz, Johann Georg Elser. Der mutigste Einzelkämpfer gegen Hitler, in: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums 34 (1995), Heft 135, S.140-147.
Peter Steinbach, Der einsame Attentäter. Zur Erinnerung an Johann Georg Elser, in: Zeitgeschichte 17 (1989/90), S.349-363.
Ders., Der „Bürgerbräu“-Attentäter Elser. Widerstandskämpfer ohne Dilemma durch Verstrickung in Schuld und Kooperation, in: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums 29 (1990), Heft 115, S.142-157.
Ders.: Johann Georg Elser: Der einsame Attentäter, in: Ders.: Widerstand im Widerstreit. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der Erinnerung der Deutschen, Paderborn, 2. Aufl. 2001, S.197-214.
Filme
Georg Elser - Einer aus Deutschland, Spielfilm, 1989, 93 Minuten Regie: Klaus Maria Brandauer, Hauptrollen: Klaus Maria, Brandauer, Brian Dennehy, Rebecca Miller, Elisabeth Orth, Nigel le Vaillant, Drehbuch: Stephen Sheppard
Georg Elser - Ich wollte ja durch meine Tat ein noch größeres Blutvergießen verhindern, Dokumentation, 2004, 23 Minuten
Ausstellung
„Ich habe den Krieg verhindern wollen“ Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939. Eine Dokumentation der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stauffenbergstraße 13-14, 10785 Berlin-Mitte in Zusammenarbeit mit dem Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim und der Gemeinde Königsbronn (im ITS im Herbst 2010 zu sehen)
Webtipp
www.georg-elser.de
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