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Seit November 2007 sind nach vielen konflikt- und diskussionsreichen Jahren der Verhandlungen zwischen den Mitgliedsstaaten des Internationalen Ausschusses, dem IKRK und dem ITS die in Bad Arolsen verwahrten Dokumente der Allgemeinheit zu Forschungszwecken zugänglich.
Eine Art goldener Mittelweg wurde gefunden, der auf der einen Seite Forschung ermöglicht und auf der anderen Seite durch eine Nutzererklärung den Archivnutzer selbst für den Schutz personenbezogener Daten verantwortlich macht. Zugleich beschlossen die elf Staaten, den ITS mit der Bereitstellung von Kopien dieser Dokumente zu betrauen für diejenigen von ihnen, die diese Daten auf ihrem Hoheitsgebiet über eine Archivstätte ihrer Wahl und in Übereinstimmung mit den in ihrem jeweiligen Land geltenden Datenschutzgesetzen zugänglich machen möchten.
Welcher Art sind die in den Sammlungen des ITS enthaltenen Informationen, dass sie diese so besonders wichtig machen? Das Archiv enthält Dokumente, welche die Verfolgung, die Ausbeutung und die Vernichtung von Millionen von Zivilpersonen durch die Nazis anschaulich machen. Sowohl in ihrer Masse als auch in ihrer Einzigartigkeit verdeutlichen diese Dokumente das Unrechtssystem und die Verbrechen, die zwischen 1933 und 1945 systematisch vom nationalsozialistischen Deutschland verübt wurden. Vielleicht werfen sie kein Licht auf zuvor unbekannte Besonderheiten oder Eigenheiten der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, doch begründen, festigen und vertiefen sie sicherlich die Einsicht in die Strukturen, Methoden und das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen. So lassen sich beispielsweise Deportationen, die Demographie der Lagerinsassen bzw. Fragen zur gesundheitlichen Verfassung und Sterblichkeit von Zwangsarbeitern künftig intensiv erforschen. Themen wie die "Arisierung", aber auch die Todesmärsche sind anhand der Dokumente des ITS nun genauer zu analysieren.
Wissenschaftler und Pädagogen treffen zudem in den Dokumenten aus der Nachkriegszeit auf neue oder bislang nur selten ausgewertete Informationen über Einzelne und Familien. Diese Informationen veranschaulichen, wie die von Verfolgung und Krieg schwer gezeichneten Überlebenden die ersten Schritte unternahmen, um ein neues Kapitel im Buch ihres Lebens zu beginnen.
Es besteht kein Zweifel daran, dass weitere Findmittel kreiert werden müssen und das Potential der Sammlung für geschichtliche Studien zu bewerten ist. Das Projekt einer besseren Erschließung der Dokumente wird jedoch einige Jahre in Anspruch nehmen.
Die Mitarbeiter des ITS erweisen den zu Besuch weilenden Forschern den ihnen bestmöglichen Dienst, indem sie das in puncto Dokumentierung des Schicksals einzelner Opfer erworbene Know-how teilen. Leseräume, Seminarräume und eine wissenschaftliche Bibliothek stehen zur Verfügung.
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