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„An die Opfer erinnern“

Der Niederländer Erik Dijkstra hilft dabei, Angehörige zu finden, um ihnen persönliche Gegenstände von KZ-Opfern auszuhändigen, die der ITS im Archiv verwahrt. Im Interview berichtet er, was ihn zu diesen umfangreichen Recherchen motiviert, und wie er bei der Suche vorgeht. Ausgangspunkt ist für ihn das Online-Archiv des ITS.

Können Sie kurz erzählen, wie Sie auf das Online-Archiv des ITS aufmerksam geworden sind und was Sie motiviert, nach Angehörigen der KZ-Inhaftierten zu suchen?

Für mich begann es im Oktober 2015 nach einer Sendung im niederländischen Fernsehen über den Fund des Notizbuchs von Rudy de Wijs, einem Opfer aus dem Konzentrationslager Neuengamme, durch die Journalistin Pauline Broekema. Weil ich davor schon einige Jahre nach Häftlingen eines Arbeitslagers in den Niederlanden recherchiert hatte, in dem auch mein Großvater inhaftiert war, hatte ich schon Erfahrung mit dem Suchen von Personen via Internet. Ich war einige Male in der Gedenkstätte Neuengamme, und das war für mich sehr eindrucksvoll, auch weil ich die persönlichen Geschichten von einigen Opfern kannte. Auf einem Denkmal in Neuengamme steht die Inschrift: „Euer Leiden, euer Kampf und euer Tod sollen nicht vergebens sein”. Ich glaube, das ist das Letzte, was wir tun können: An die Opfer erinnern und versuchen ihrem Leiden Bedeutung zu geben.

Wie gehen Sie bei Ihren Recherchen vor?

In den letzten Jahren sind in den Niederlanden viele Archive online gegangen. Auch diverse Zeitungen kann man im Internet einsehen. Erst prüfe ich die Geburts- und Sterbedaten und dann die Personalien der Eltern. Zeitungsarchive durchsuche ich nach Todesanzeigen, oft stehen dort auch die Namen und manchmal sogar Adressen von Geschwistern oder anderen Angehörigen. Aktuelle Daten sind oft nicht in den Archiven zu finden, das macht das Suchen etwas schwieriger. Ich trete mit Leuten via Facebook oder Twitter in Kontakt, oder ich ruf an. Manchmal bin ich einige Tage damit beschäftigt; im Fall von Johannes Berens hat es einige Monate gedauert.

Wie oft konnten Sie Angehörige finden?

Ich habe bisher vier Mal Familien ermitteln können. Bei den Recherchen zu Johannes Berens und bei einer zweiten Suche habe ich bemerkt, dass ich nicht der einzige Forscher war. Annelies Sijtsma war gleichzeitig mit denselben Fällen beschäftigt. Wir haben Kontakt zu einander gesucht und einige Sachen abgestimmt.

Wertvoll ist, dass es hinter den persönlichen Effekten oft unbekannte Geschichten gibt. Bei meinen letzten Suchen ging es um zwei junge Polizisten. Ich habe herausgefunden, dass in den Niederlanden im Krieg viele Polizisten von den Nationalsozialisten verhaftet wurden. Zahlreiche von ihnen sind im KZ Neuengamme und in den Außenlagern gestorben. Durch die gefundenen Effekten gibt es dafür jetzt wieder Interesse. Es werden einige Publikationen folgen, und es wird eine Website dazu veröffentlicht.

Ich möchte gerne sagen, dass ich den Kontakt und die Zusammenarbeit mit dem ITS sehr schätze. Auch der Kontakt mit Angehörigen ist wirklich gut. Ich habe viel Respekt für alle Mitarbeiter vom ITS und ihre wertvolle Arbeit.