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Auf der Suche nach Exponaten für die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Das Deutschlandhaus in Berlin-Kreuzberg, der künftige Standort des Ausstellungs-, Informations- und Dokumentationszentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Die Historikerin Ursula Breymayer hat sich am 3. und 4. Juni 2014 im Auftrag der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung einen Eindruck davon gemacht, welche Dokumente im Archiv des International Tracing Service (ITS) zu den Todesmärschen kurz vor Kriegsende zu finden sind. Derzeit erarbeitet die Stiftung eine Dauerausstellung über Flucht und Vertreibung in Europa, die in dem geplanten Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung im historischen Deutschlandhaus in Berlin zu sehen sein wird, mit dessen Umbau 2013 begonnen wurde.

In einem der Ausstellungskapitel geht es um die große Fluchtbewegung deutscher Zivilbevölkerung vor den sowjetischen Truppen 1944/45, welche die Region um Danzig und Krakau betraf. In diesem Zusammenhang sollen in multiperspektivischer Betrachtung auch die zum gleichen Zeitpunkt und im gleichen geografischen Raum stattfindenden Todesmärsche zur Räumung der Konzentrationslager behandelt werden - als das letzte von den Nationalsozialisten organisierte Massenverbrechen (hier insbesondere die Todesmärsche aus den KZs Auschwitz und Stutthof).

Zu den Todesmärschen hat der ITS eine Vielzahl von Dokumenten gesammelt, darunter Auskünfte von Kommunen, Informationen zu Evakuierungstransporten, polizeiliche Ermittlungsberichte, Kartenmaterial und Originalunterlagen aus den letzten Tagen der Konzentrationslager. Ursula Breymayer war bei ihrer Arbeit im Archiv dankbar für die Unterstützung durch die ITS-Mitarbeiterinnen, da sie – obwohl sie zum ersten Mal in Bad Arolsen war – direkt eine Vorstellung bekommen konnte, welche Dokumente als Faksimiles in das Ausstellungskonzept passen könnten.

„Die Listen der ‚Evakuierungstransporte‘ zeigen ein Bild von der furchtbaren Masse der Opfer. In einem Dokument die Todesmärsche von Auschwitz nach Buchenwald betreffend sind es 67 Seiten mit den Namen und Häftlingskategorien wie Nationalität, Beruf und Religion – das lenkt den Blick auf die unzähligen Einzelschicksale. Es waren Juden aus aller Welt darunter, sogar aus dem Irak.“ Die Todesmärsche haben sich seit einigen Jahren zu einem Forschungsschwerpunkt des ITS entwickelt, dem 2012 das erste ITS-Jahrbuch gewidmet wurde.