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Auf der Suche nach Grablisten des Kriegsgefangenenlagers Trutzhain

Für die Rekonstruktion der Namen zu den Grabsteinreihen auf den Friedhöfen des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers in Ziegenhain (heute Trutzhain) hat Waltraud Burger für zwei Tage beim Internationen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen geforscht. „Es ist wichtig aufzuklären, an welchen Orten die Kriegsgefangenen begraben wurden. Die Angehörigen brauchen einen Ort zum Trauern“, sagte die Historikerin von der Gedenkstätte Trutzhain. „Meine Recherchen beim ITS unterstützen dieses Ziel.“

Zum Kriegsgefangenenlager in Ziegenhain gehörten zwei getrennt voneinander gelegene Friedhöfe. Auf dem sogenannten „Alliiertenfriedhof“ wurden die polnischen, französischen, jugoslawischen und amerikanischen Toten bestattet. Der „Waldfriedhof“ wurde 1941 für die sowjetischen und serbischen Gefangenen angelegt. Die Bestattungen erfolgten in mehrfach belegten Einzel- und Massengräbern.

Obwohl die Schreibstube in Ziegenhain die Verstorben listenmäßig erfasste und der WASt (Wehrmachtsauskunftsstelle) meldete, wurden die Gräber nur mit nummerierten Betonpflöcken gekennzeichnet. Die Listen des Kriegsgefangenenlagers (Als Stammlager oder Stalag von den Nationalsozialisten bezeichnet.) sind seit 1945 jedoch zum Teil verschollen oder in verschiedenen Archiven gelandet.

Burger macht es sich nun seit einiger Zeit zur Aufgabe, die Belegung der Gräber zu rekonstruieren. „Unsere Gedenkstätte bekommt wöchentlich zirka drei Anfragen aus Europa, den USA und der ehemaligen Sowjetunion“, berichtete sie. „Die nachfolgenden Generationen wünschen Auskunft zum Schicksal ihrer Angehörigen, aber auch Informationen zur Grabstätte.“ Die Historikerin reist daher in verschiedene Archive, um Hinweise zu sammeln. Beim ITS sichtete sie sämtliche Listen aus dem Landkreis Ziegenhain, speziell die Gräberlisten. „Die Digitalisierung der ITS-Unterlagen erleichtert meine Arbeit enorm. Außerdem werden die Originale geschützt“, äußerte die Historikerin begeistert.

Die Gedenkstätte Trutzhain ist Hessens jüngste Gedenkstätte. Zirka 80 Prozent des Lagers sind heute noch sichtbar. Burger arbeitet zusammen mit zehn Freiwilligen auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. Führungen, Ausstellungen, die Beantwortung von Anfragen sowie die Betreuung von Angehörigen gehören zu den Hauptaufgaben der Ehrenamtlichen. Regelmäßig übernehmen Schüler der Abschlussklasse der Ziegenhainer Carl-Bantzer-Schule die Pflege und Betreuung der „Mahn- und Gedenkstätte Waldfriedhof Trutzhain“.