a A

Auf Spurensuche für die Rückgabe von Effekten

„Solange ich Menschen finde, mache ich weiter“, sagt Kitty Brom aus Hummelo in den Niederlanden. Die Hobbygenealogin hilft ehrenamtlich bei der Suche nach Angehörigen ehemaliger Häftlinge aus Konzentrationslagern, deren Effekten der Internationale Suchdienst (ITS) zurückgeben möchte. Etwa 2.900 persönliche Gegenstände – Brieftaschen mit Fotos und Briefen, Schmuck und Uhren, deren damalige Eigentümer namentlich bekannt sind, befinden sich heute noch im Archiv des ITS. Brom informierte sich jetzt in Bad Arolsen über die Recherchemöglichkeiten.

Vor drei Jahren hatte Brom eine Dokumentation im niederländischen Fernsehen gesehen über eine Effektenrückgabe in der Gedenkstätte Amersfoort. „Es hat mich sehr berührt, wie die Menschen auf die Effekten reagiert haben, welchen emotionalen Wert diese persönlichen Gegenstände für die Familien hatten“, erzählt Brom. Sie beschloss spontan zu helfen. Da sie als Hobby bereits Adoptivkinder bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern begleitet und für Bekannte nach Freunden und Verwandten gesucht hatte, war Brom ohnehin schon eine Expertin im Austüfteln von Verwandtschaftsgraden und Aufspüren von Menschen. Genau diese Fähigkeit brauchte sie jetzt für die Suche nach Familienangehörigen ehemaliger Häftlinge.

Zunächst half sie dem Fernsehsender bei weiteren Recherchen, anschließend Kamp Amersfoort und der Stiftung Oktober 44. „Inzwischen habe ich ein Netzwerk an Kontakten und recherchiere einfach anhand der Namenliste des ITS im Internet“, berichtet Brom. „Da muss ich mich dann nicht mehr auf eine Nationalität oder Häftlingsgruppe beschränken.“ So konnte sie mittlerweile Familienangehörige in Holland, Belgien und Norwegen aufspüren. „So um die 50 bis 60 Familien sind es jetzt“, sagt sie. „Dabei gingen deutlich mehr als 1000 Emails hin und her. Sobald die Recherche beginnt, baut sich ein Puzzle vor mir auf, das sich am Ende zu einem Bild zusammenfügt.“

Teilweise bis drei Uhr Nachts durchstöbert Brom Onlinearchive, Telefonbücher und das Internet. „Wenn ich ein wenig helfen kann“, sagt Brom bescheiden. „Ich finde es einfach gut, wenn Menschen Ruhe finden können; wenn sie wissen, was passiert ist. Letztlich geht es den meisten darum, einen konkreten Beweis in den Händen zu halten.“ Was Ungewissheit bedeutet, hat Brom in der eigenen Familie erleben dürfen. Ihr Großvater war Anfang 1945 spurlos verschwunden und ist nie wieder aufgetaucht.