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Augenzeugen zu DP Camps in der französischen Zone gesucht

Eine geplante Doktorarbeit über Displaced Persons in der französisch besetzten Zone im Nachkriegsdeutschland hat Julia Maspero für zwei Wochen ins Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) geführt. „Ich versuche herauszufinden, woher die DPs kamen, was sie während des Krieges durchlebt haben, wie sie in den DP Camps zurechtkamen und wohin es sie anschließend verschlug“, erläutert die Doktorandin von der Universität Sorbonne in Paris. Sie sucht auch nach Augenzeugen.

Die meisten Displaced Persons in der französischen Zone waren ehemalige Zwangsarbeiter. Es waren aber auch Überlebende aus Konzentrationslagern und der Kriegsgefangenschaft darunter. Am Ende des Krieges gab es rund 423.000 DPs in der französischen Zone von Deutschland. Ihre Zahl reduzierte sich Anfang 1948 bis auf 42.000, mehrheitlich aus Osteuropa. Die Zwangsarbeiter aus den westlichen Staaten kehrten in ihre Heimat zurück. Die sowjetischen Staatsbürger wurden ebenfalls zum größten Teil repatriiert, teils freiwillig, teils unter Zwang. „Die französischen Besatzungsmächte unterstützten die russische Armee bei ihren Bemühungen um eine Repatriierung“, so Maspero. Die Franzosen hofften, durch eine gute Kooperation ihrerseits die Heimkehr der Kriegsgefangenen aus dem Elsaß beschleunigen zu können, die in der deutschen Wehrmacht gedient hatten.

Die DPs waren zwar befreit worden vom nationalsozialistischen Terror, genossen aber dennoch keine Bürgerrechte. „Sie konnten sich keinesfalls frei bewegen zwischen den Zonen. Selbst für eine kleine Reise mussten sie einen Pass beantragen“, berichtet Maspero. Ein Drittel der DPs lebte in Wohnungen oder auf Bauernhöfen, die übrigen in Camps. Die DPs waren verpflichtet zu arbeiten. Gleichzeitig wurden sie auch geschult für die Emigration. „Das Thema ist in Frankreich noch wenig erforscht“, sagt die Doktorandin. „Seit einigen Jahren wächst jedoch das Interesse, da einige der DPs aus der französischen Zone anschließend auch nach Frankreich einwanderten.“

Hauptquelle von Masperos Forschungsarbeit sind die Unterlagen der französischen Administration für die besetzte Zone. Die Dokumente befinden sich heute im Archiv von Colmar. Daneben recherchierte sie im Archiv von Koblenz und Freiburg, dem Institut für Zeitgeschichte und im Bundesarchiv. „Noch habe ich mehr Fragen als Antworten“, räumt die Französin mit ein wenig Understatement ein. „Beim ITS sind mir viele Ideen gekommen. Vermutlich werde ich mich auf ein spezielles DP Camp konzentrieren und anhand der Dokumentation die Einzelschicksale nachvollziehen.“ Insbesondere die Fragebögen der Alliierten böten eine interessante Sichtweise. „Ich will nicht nur die administrativen Vorgänge schildern, sondern meiner Forschungsarbeit auch eine persönliche Note geben. Schließlich geht es hier um individuelle Schicksale“, so Maspero.

Für ihre Forschungsarbeit sucht Julia Maspero noch Augenzeugen. Wer selbst DP war oder  welche kannte, kann sich bei ihr unter der Rufnummer 01520-5303467 oder per Email melden.