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Aus Nummern werden Namen

Im Auftrag der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt hat Thomas Irmer diese Woche zum zweiten Mal im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen recherchiert. Er überprüft Häftlingsnummern von rund 1000 Opfern des Massakers in Gardelegen Ende des Zweiten Weltkrieges. „Ich lasse Nummern zu Namen werden und versuche so, den Opfern ein Stück ihrer Würde zurückzugeben“, berichtet Irmer.

Am 13. April 1945 wurden 1016 KZ-Häftlinge in der Isenschnibber Feldscheune nahe der Stadt Gardelegen ermordet. Die Insassen, die aus den Außenlagern der Konzentrationslager Mittelbau-Dora und Neuengamme kamen, waren auf Todesmärschen und Transporten Richtung Norden unterwegs. Eher zufällig trafen sie in Gardelegen zusammen. Wegen der nahenden Front konnten die Märsche nicht fortgesetzt werden. Die Verantwortlichen der dort ansässigen Nationalsozialisten bereiteten die Ermordung vor. Sie ließen die Häftlinge mit Hilfe von Einheimischen in eine Scheune treiben und zündeten diese an.

„Nur 24 Stunden nach der grausigen Ermordung waren die Amerikaner da“, erzählt der 44-Jährige. „Die Soldaten zwangen die männlichen Einwohner von Gardelegen, die Opfer zu exhumieren und würdig zu bestatten.“ Dabei konnten knapp 300 Häftlingsnummern, zum Teil von Aufnähern der Häftlingskleidung, festgestellt werden. „Es gab in vergangenen Jahren bereits Recherchen zu diesen Nummern“, erklärt Irmer. „Und jetzt wird die Stadt Gardelegen als Träger der Gedenkstätte bei der Forschung und dem Aufbau von der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung unterstützt.“

Irmer überprüfte anhand der Nummern die Häftlingskarten sowie Transportlisten beim ITS. Dabei konnte er „aus fast allen Nummern Namen machen“. „Beim ITS laufen die Informationen zusammen. Das ist ideal für meine Arbeit“, freut sich der Politologe. Die Ergebnisse fließen in ein Gedenkbuch ein. Außerdem wurden bereits erste Namen auf einer Veranstaltung im April 2009 der Mahn- und Gedenkstätte verlesen. „Es ist von großer Bedeutung, die Erinnerung an die Schicksale zu bewahren“, appelliert der Forscher. „Die Recherchen sind auch von zentraler Bedeutung für die Bildungsarbeit.“ Den ITS wird er ein weiteres Mal besuchen kommen. „Der nächste Schritt wird sein, die kompletten Schicksale der Opfer zu recherchieren und darzustellen.“