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Ausbeutung in der Rüstungsindustrie

Ende September 2011 hat Frank Baranowski für sein Buch „Rüstungsproduktion in Deutschlands Mitte von 1923 bis 1945“ das Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) besucht. „Die Intention meiner Arbeit ist es, Strukturveränderungen und ihre Gründe in der Rüstungsindustrie aufzuzeigen unter Berücksichtigung der Ausbeutung von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen“, so der Geschichtsinteressierte. Bei seiner Recherche in Bad Arolsen konzentrierte er sich auf Unterlagen zu verschiedenen Außenkommandos und Justizvollzugsanstalten in der Region Nordthüringen und Südniedersachsen.

„Nordthüringen spielte in den ersten Kriegsjahren in der Rüstungsindustrie lediglich eine untergeordnete Rolle“, weiß der 39-Jährige. In der Region Südniedersachsen konnten Firmen dagegen bereits in den Jahren 1934 bis 1938 einen steten rüstungsbedingten Aufschwung verzeichnen. Nachdem die Fertigung der „Vergeltungswaffe V2“ in die Stollenanlage bei Niedersachsenwerfen verlegt wurde, änderte sich die wirtschaftliche Situation in Nordthüringen schlagartig. Es folgten vorrangig Produktionsstätten der Flugzeugindustrie und die Nachfrage nach „billigen“ Arbeitskräften wuchs stetig an.

„Für die Produktion wurden überwiegend Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge eingesetzt“, so Baranowski. „Viele Firmen benötigten jedoch auch gelernte Arbeitskräfte.“ Beim ITS ist er auf einen Erlass des Reichsministers der Justiz vom 26. Mai 1944 gestoßen. Dieser forderte alle Haftanstalten auf, qualifizierte Gefangene für die Produktion zur Verfügung zu stellen. „Es ist interessant zu sehen, welche Firmen bereitwillig auf die Arbeitskräfte zurück griffen und welche eher Abstand hielten“, berichtet der Forscher. Die Anzahl der deutschen Beschäftigen in Relation mit der Anzahl der KZ-Häftlinge, die Art und Dauer der Produktion, aber auch äußere Umstände wie Unterbringung und Verpflegung waren für seine Recherche von Interesse.

Baranowskis Forschungsdrang entwickelte sich bereits während seiner Schulzeit. In einem Aufsatz beschäftigte er sich mit Zwangsarbeitern im Landkreis Göttingen. „Als meine Großmutter mir dann noch erzählte, dass sie bei den Polte-Werken Duderstadt arbeitete und während des Krieges als KZ-Aufseherin eingesetzt werden sollte, entfachte in mir das Interesse“, so Baranowski. Nach mehreren Veröffentlichungen von Teilprojekten zu diesem Thema, erscheint Ende des Jahres sein Buch „Rüstungsproduktion in Deutschlands Mitte von 1923 bis 1945“ im Mecke Verlag Duderstadt.