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Ausstellung und Workshop beim BKA in Wiesbaden

Anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar 2014 hat der International Tracing Service (ITS) im Fachbereich Kriminalpolizei der Fachhochschule des Bundes beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden erstmals die Ausstellung „Spurensuche - Die Todesmärsche in den Dokumenten des International Tracing Service (ITS)“ gezeigt. Zur Einführung in das Thema und begleitend zur Ausstellung hielt Dr. Susanne Urban, Leiterin der Forschung und Bildung beim ITS, vor den rund 40 Studierenden einen Vortrag und veranstaltete im Anschluss gemeinsam mit René Bienert, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim ITS, einen Workshop zum Thema „Akteure im Nationalsozialismus“. Die Ausstellung wurde für die Einrichtung neu gefertigt und wird dort zukünftig zwei Mal jährlich gezeigt.

Die Veranstaltung eröffnete der Vizepräsident des BKA, Peter Henzler. Er thematisierte die Geschichte und Rolle der Polizei im Nationalsozialismus in eindringlichen Worten, verwahrte sich gegen den Mythos vom Befehlsnotstand und verwies darauf, dass auch das BKA in seiner Gründungszeit ehemalige Täter integrierte. „Nach … 1933 wurde die Polizei zu einem der wichtigsten Instrumente zur Verfolgung politischer Gegner und somit zur Durchsetzung der Diktatur“, so Henzler. „Auch die Kriminalpolizei war eingebunden. Ein kritischer, offener Umgang mit der eigenen Geschichte ist für uns als Polizisten eine immer währende Verpflichtung. Die Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord, an dem die damalige Schutz- und Kriminalpolizei verantwortlich mitwirkte, kennt keinen Schlussstrich.“

Urban gliederte ihren Vortrag in vier Abschnitte, in denen sie sich dem Thema der Todesmärsche näherte. Sie erläuterte zuerst die Definition der Todesmärsche und schlug dann den Bogen mit einem Blick auf die Dokumentation im Archiv des ITS. Zwei Lebensläufe von denen einer im Tod endete während Eric Hitter überlebte, sollten das Thema den Studierenden auf einer persönlicheren Ebene näher bringen. Der 86-jährige Hitter erlitt und überstand die Konzentrationslager Auschwitz, Groß Rosen, Flossenbürg sowie zwei Todesmärsche. In der Ausstellung wird sein Schicksal wiedergespiegelt. Der Überlebende selbst konnte nicht an der Ausstellungseröffnung teilnehmen, hatte den 40 Anwesenden jedoch seine Grüße und eine Botschaft zukommen lassen.

Während des Workshops beschäftigten sich die Studierenden mit Handlungsspielräumen, der Polizei in der NS-Verfolgung sowie mit Menschenbildern im Nationalsozialismus. Unterschiedliche Dokumente wurden dafür aus dem Archiv des ITS bereit gestellt, darunter Befehle des Reichssicherheitshauptamtes an die Polizei, Korrespondenz über eine Aktion der deutschen Besatzer gegen dänische Polizisten im September 1944, Häftlingspersonalkarten sowie Registrierungen Überlebender.

Während einer Abschlussrunde beschäftigten sich die BKA-Studenten nochmal mit dem Schicksal von Hitter. Folgende Zitate der Studierenden an den Holocaust-Überlebenden schlossen den Erinnerungstag beim BKA in Wiesbaden ab: „Ihre Lebensgeschichte dient als personalisiertes Gewissen für unser zukünftiges Handeln.“ und „Ihr persönliches Schicksal hat uns sehr berührt und beeindruckt. Wir wollen der Verantwortung als politisch reflektierte Polizisten gerecht werden und danken Ihnen für die Bestärkung.“.