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Austausch über die Digitalisierung

Giora Zwilling, Leiter der Abteilung Vorbereitung der Digitalisierung in der Gedenkstätte Yad Vashem, hat sich im Dezember 2010 drei Tage lang über die Arbeit des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen informiert. „Es war etwas Besonderes, die umfangreichen Aufgaben und Themen kennen zu lernen, mit denen sich der ITS befasst“, sagte Zwilling zum Abschluss seines Besuchs. „Ich habe ein klares Bild gewonnen und werde vieles an Erfahrungen mitnehmen können.“

Der Mitarbeiter von Yad Vashem informierte sich über die Dokumentenbestände, den Stand der Konservierung, die Bearbeitung von Anfragen sowie die Ansätze der Forschung. „Spannend war für mich das Tracing, sprich die Suche nach Familienangehörigen, die wir in dieser Form bei Yad Vashem nicht betreiben“, berichtete Zwilling. „Zudem fand ich es beachtlich, welches Interesse auch die zweite und dritte Generation an Auskünften hegt.“ Natürlich galt Zwillings Hauptaugenmerk vor allem der Digitalisierung beim ITS. „Sie hat mich beeindruckt“, schilderte er. „Wir wählen nicht immer die gleichen Lösungen in unseren beiden Einrichtungen, aber die Probleme sind vergleichbar. Ich denke, wir haben ähnliche Erfahrungen gesammelt.“

Die Digitalisierung beim ITS mache auf ihn einen strukturierten Eindruck, bei dem die einzelnen Arbeitsschritte gut ineinander griffen. Nahezu der gesamte Bestand an historischen Dokumenten wurde in Arolsen mittlerweile gescannt. Es fehlen noch die Korrespondenzakten im Umfang von circa 60 Millionen Blatt Papier. „Es ist für mich interessant zu sehen, wie die Fragen der Digitalisierung in anderen Einrichtungen gelöst werden“, so Zwilling. Dazu habe er beispielsweise auch einen Austausch mit der Nationalbibliothek in Israel geführt. In Deutschland läuft zurzeit eine intensive Debatte unter den Archiven über die Form und Finanzierung der Digitalisierung von Beständen.

In Yad Vashem, wo der Historiker seit nunmehr zweieinhalb Jahren tätig ist, bereitet Zwilling die Dokumente mit seinem Team von sieben festen Mitarbeitern und einigen Volontären auf die Digitalisierung vor. Die Qualität der Dokumente wird geprüft, sie werden nummeriert, Klammern entfernt und die Arbeiten mit den Abteilungen für Konservierung, Restaurierung und Digitalisierung koordiniert. Bis heute hat Yad Vashem alle Ton- und Video-Testimonials, das gesamte Fotoarchiv und die Hälfte der Mikrofilme gescannt. Zurzeit werden die Papierdokumente digitalisiert.

Zwilling selbst hat Geschichte studiert und zuvor bei der Katalogisierung in Yad Vashem gearbeitet. „Jeden Tag hälst du bei diesem Job mindestens ein Dokument in Händen, bei dem du sagst, dafür bin ich hier“, erzählt der Historiker. „Das macht es für mich aus. Ich lerne viel dazu.“