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Besuch der Friedrich-Naumann-Stiftung

Im Rahmen einer Studienfahrt der Friedrich-Naumann-Stiftung Wiesbaden fand am 21. August ein Seminar unter dem Titel "Spurensuche und Vergangenheitsbewältigung in Deutschland" beim ITS statt. Mehr als 30 interessierte Teilnehmer aus Wetzlar und Frankfurt waren zum ersten Mal zu Besuch im ITS und hatten die Gelegenheit, sich mit dem Archiv, seiner Geschichte und seinen Aufgaben vertraut zu machen.

Nach einer Einführung wurde in einem Workshop das Thema Entschädigung bearbeitet. Die Teilnehmer konnten sich anhand ausgesuchter Dokumente einige Schicksale und Entschädigungsansprüche von Menschen verschiedener Verfolgtengruppen anschauen und die Praxis der so genannten „Wiedergutmachung“ nach 1945 untersuchen. Die Ergebnisse wurden dann gemeinsam diskutiert.

Herta Virnich aus Wetzlar betonte, dass „Wiedergutmachung“ ein „schreckliches Wort“ sei, weil es niemals eine Wiedergutmachung dieses Unrechts geben könne. Mit Bezug auf die Entschädigungsprozesse und die von den Nationalsozialisten angewandte Kategorisierung von Häftlingen fragte die stellvertretende Vorsitzende der FDP Wetzlar, Sigrid Kornmann: „Wer definiert, wer und was ‚asozial‘ ist und weshalb werden Menschen als ‚asozial‘ bezeichnet. Sind nicht eher manche Gesellschaften ‚asozial‘ den Menschen gegenüber?“

Ein Ausschnitt aus „Angelus Mortis“, einem Dokumentarfilm über Josef Mengeles pseudo-medizinische Experimente und Hugo Höllenreiner, einen Überlebenden dieser Experimente, sorgte für zahlreiche emphatische Kommentare. Der Film inspirierte die Seminarteilnehmer, über Trauma und die anhaltenden Folgen der Geschichte nachzudenken. Als gemeinsame Werte definierten die Teilnehmer Hoffnung, Verantwortung und Erinnerung für sich.