a A

Besuch vom Projekt „Remember Us“

Gesher Calmeson, Gründer des Programms „Remember Us: The Holocaust Bnai Mitzvah Project“ kam Anfang Juli mit seiner Frau Cynthia und Anna Cremaldi für einen Tag zum Internationalen Suchdienst (ITS). Die drei Kalifornier wollten sich persönlich über den Dokumentenbestand in Bad Arolsen informieren und ihr Projekt vorstellen. „Wir waren sehr bewegt von der wichtigen Arbeit, die hier passiert“, sagte Cynthia Calmeson anschließend. „Es ist sicher nicht leicht, sich täglich diesem Maß an menschlichem Leid auszusetzen.“

Das Projekt „Remember Us“ lädt jüdische Teenager ein, anlässlich ihrer Bar/Bat Mitzvah-Feier dem Schicksal eines im Holocaust ermordeten Kindes zu gedenken. Über eine Million Kinder wurden Opfer des Holocaust. Jedes hatte eine Herkunft, ein Elternhaus und eine Zukunft vor sich, die brutal ausgelöscht wurde. „Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir die Erinnerung unter der jüngeren Generation wach halten können, wenn es keine Überlebenden mehr gibt“, erzählt Gesher Clameson, der selbst einmal Lehrer war. „Wird dieser Teil der Geschichte nur noch zu einem Kapitel im Unterricht, fehlt den Jugendlichen womöglich der persönliche Bezug.“

Hier knüpft das Programm an. „Remember Us“ kümmert sich darum, dass jeder interessierte 12- bis 13-Jährige den Namen und die biografischen Eckdaten eines der Opfer im Kindesalter erfährt. Die Teenager recherchieren dann selbst nach dem Schicksal des ermordeten Kindes. So soll eine emotionale Bindung aufgebaut und eine Vorstellung von der NS-Verfolgung vermittelt werden. „Es ist meine Hoffnung, dass jedes ermordete Kind einem anderen Menschen etwas bedeutet, dass es seinen Namen behält und nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Calmeson.

Dabei können die Formen der Erinnerung sehr individuell sein. So tragen die Jugendlichen etwa in der Synagoge den Lebensweg des Kindes vor, bevor sie aus der Thora lesen. Sie gestalten eine eigene Website zu ihrer Feier und dem Schicksal des Kindes oder zünden eine Kerze zur Erinnerung an. Sie können auch Bäume pflanzen und eine gemeinnützige Tat leisten im Namen des ermordeten Kindes. „Ein Junge war so beeindruckt, dass er später eines seiner Kinder nach dem Opfer des Holocaust benennen möchte“, berichtet Calmeson. Ihn persönlich hatte ein Besuch in Yad Vashem dazu angeregt, das Programm zu starten. „Ich musste etwas tun, um dieser Tragödie unter den Kindern und Teenagern zu gedenken.“

Und der Erfolg gibt ihm recht. Inzwischen halten über 13.000 Jugendliche in mehr als 500 Gemeinden in den USA, Kanada, Mexico und Australien den Namen eines ermordeten Kindes wach. „Das Projekt startete ganz klein in Kalifornien“, erzählt der 74-Jährige. „Doch ihm flogen sofort die Herzen zu.“ Jetzt wollen die Kalifornier das Programm auch auf Israel ausweiten. „Wir haben großartige Erfahrungen gemacht“, sagt der 74-Jährige. „Kinder spüren eine instinktive Abneigung gegenüber Ungerechtigkeit. Deshalb übernehmen sie gerne die Verantwortung. Die Erinnerung bringt einen tieferen Sinn in ihre Bar Mitzvah-Feier und damit auch in ihr Leben.“

Häufig entstünde aus der Beschäftigung mit dem Schicksal eines Kindes auch die Frage nach der eigenen Familiengeschichte, berichtet Clameson. „Dies fördert den Dialog zwischen den Generationen und zugleich auch den Heilungsprozess in Familien, die selbst betroffen waren.“ Der ITS sagte zu, das Projekt „Remember Us“ künftig zu unterstützen. Dabei kann der Suchdienst den Jugendlichen vor allem bei der Recherche von Daten und Hintergrundinformationen zum Verfolgungsschicksal eines Kindes behilflich sein.