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Blick hinter die Kulissen

26 Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) aus Kassel haben gestern die Archive des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen besichtigt. Sie zeigten sich „tief beeindruckt“ von den Dokumenten, die beim ITS zur Verfolgung während des Nationalsozialismus aufbewahrt werden. „Die Deutsch-Israelische Gesellschaft und Einrichtungen wie der ITS werden mehr denn je benötigt, um die Erinnerung wach zu halten und die Bedeutung der Ereignisse für die Gegenwart zu vermitteln“, ist Manfred Oelsen, Erster Vorsitzender der DIG, überzeugt.

Organisiert wurde der Aufenthalt der Deutsch-Israelischen Gesellschaft beim ITS durch Ernst Klein aus Volkmarsen vom Verein „Gegen Vergessen“, der ein Kenner der Einrichtung und zugleich Mitglied der Gesellschaft ist. Die DIG in Kassel wurde im Jahre 1975 gegründet und fördert den deutsch-israelischen Dialog wie auch die Verbindung zu jüdischen Einrichtungen. Regelmäßig werden Vorträge, Seminare, Konzerte, Informationsveranstaltungen sowie Fahrten zu Gedenkstätten und Museen angeboten.

Udo Jost, Bereichsleiter Archiv beim ITS, informierte die Besucher bei einer kurzen Einführung über die Geschichte der Einrichtung sowie die Art und Herkunft der Unterlagen. Anschließend führte Rudolf Michalke, Abteilungsleiter Archivverwaltung, die Gruppe durch die verschiedenen Bereiche des Archivs. Er präsentierte die Zentrale Namenkartei mit ihren 50 Millionen Hinweiskarten, Unterlagen zu Displaced Persons, Listen aus den Konzentrationslagern sowie Aufstellungen über Zwangsarbeiter. „Oh je, die vielen Unterlagen erschrecken mich“, flüsterte DIG-Mitglied Waltraud Mann während des Rundgangs.

Bei einem abschließenden Treffen mit ITS-Direktor Reto Meister berichtete dieser ausführlich über die Öffnung des Archivs im vergangenen Jahr und deren Bedeutung. „Speziell für die jüdische Bevölkerung ist dies ein Zeichen der Erinnerungsarbeit“, sagte der Direktor. Meister informierte über die Digitalisierung der Originaldokumente und den Datentransfer an Yad Vashem in Jerusalem, das US Holocaust Memorial Museum in Washington und das Nationale Institut des Gedenkens in Warschau. Die Mitglieder der DIG interessierten sich vor allem für die Möglichkeiten, das Archiv für die Aufklärungsarbeit und insbesondere die Schulbildung zu nutzen.

„Die DIG bietet einiges, aber der Besuch beim ITS ist ein Höhepunkt für uns alle gewesen“ – mit diesen Worten bedankte sich Manfred Oelsen im Namen der DIG für die Gelegenheit, „einmal hinter die Kulissen schauen zu können“. Einige Mitglieder wollen einzeln oder in Kleingruppen wiederkommen, um noch besser ins Detail gehen und Einzelrecherchen machen zu können.

Die DIG Kassel im Internet: www.digkassel.de