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„Das ITS-Archiv gehört nach Arolsen“

Mitglieder des Arbeitskreises für Kommunalfragen der waldeckischen Wirtschaft (AFK) haben gestern Abend den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen besucht. ITS-Direktor Reto Meister und Udo Jost, Bereichsleiter Archiv, stellten die Tätigkeiten und Ziele des ITS sowie das Archiv vor.

Nicht nur aus persönlichem Interesse, sondern auch aus der Sicht des Unternehmers und des wirtschaftlichen Faktors für Arolsen, wollten die Besucher den ITS in Augenschein nehmen. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung hatte den Vorsitzenden des AFK, Heinz-Robert Behle, auf den Gedanken gelenkt, den ITS im Rahmen des Unternehmertreffs zu besichtigen. Über 30 AFK-Mitglieder folgten seiner Einladung.

Reto Meister referierte ausführlich über die Geschichte, den Standort, die Trägerschaft, die Tätigkeiten und heutigen Prioritäten des ITS. Dabei ging er besonders auf den Anfrageneingang und die Digitalisierung der historisch wertvollen Dokumentation ein. Auch über 60 Jahre nach Kriegsende gingen noch Suchanfragen ein, deren Bearbeitung die Ursprungsaufgabe des ITS sei, so Meister. Nachdem seit November 2007 die Archive auch der Öffentlichkeit zugänglich seien, stellten vermehrt Historiker und Wissenschaftler Anfragen. Die Mitarbeiter würden sich dieser neuen Aufgabe stellen.

Da das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in Genf (IKRK) in den nächsten Jahren die Verantwortung für den ITS abgeben werde, würden sich im Rahmen der Zukunftsdebatte die elf Mitgliedstaaten im Internationalen Ausschuss für den ITS und das IKRK gemeinsem Gedanken darüber machen, wie der ITS zukünftig strukturiert sein soll, so der ITS-Direktor.

Udo Jost führte die AFK-Mitglieder durch die Archive des ITS. Schon bei der ersten Station, der alphabetisch-phonetisch sortierten Zentralen Namenkartei (ZNK), waren die Besucher über den Aufbau und die damit verbundenen einzelnen Arbeitsschritte erstaunt. Beeindruckt zeigte sich die Gruppe auch von den individuellen Einzelunterlagen der Zwangsarbeiter - Arbeitsbücher, Krankenakten, Versicherungsunterlagen sowie Meldekarten von Behörden, Krankenkassen und Arbeitgebern. Jost machte darauf aufmerksam, dass sich auch in der Region Waldeck-Frankenberg viele Zwangsarbeiter aufhielten und bei Bauern oder Unternehmen arbeiteten. Die Führung endete im Archiv der Dokumentation über die Konzentrationslager, Ghettos und Gefängnisse. Ergriffen zeigten sich die Mitglieder des AFK von der akribischen Auflistung sämtlicher Informationen von der Einlieferung bis hin zur Beurkundung des Todes oder der Befreiung im Lager.

Heinz-Robert Behle sagte im Anschluss, dass er mit dieser „geballten Grausamkeit“ nicht gerechnet habe. Für Bad Arolsen sei der ITS sehr wichtig, nicht nur in Hinsicht auf die Arbeitsplätze. Die Bedeutung, die dem Archiv in Bad Arolsen und der Region zugeschrieben werde, könnte in einer Großstadt nicht erreicht werden. „Der ITS gehört nach Arolsen, und wir werden alle dafür arbeiten, dass er auch hier bleibt“, waren sich die Teilnehmer einig. „Der Standort hat Geschichte. Hier soll die Erinnerungsarbeit weitergehen." Behle sagte weiter, er sei beeindruckt, dass das Archiv mit seinen Millionen von Akten das ganze Gegenteil von „verstaubt“ sei. Jeder Besucher könne feststellen, dass der ITS modern ausgestattet und serviceorientiert seinen „Kunden“ gegenüberstehe sowie Motivation und Flexibilität bei den Mitarbeitern gegeben sei.

Die Teilnehmer regten an, den ITS in den Geschichtsunterricht zum Thema „Nationalsozialismus – 2. Weltkrieg“ einzubinden. „Was man hier sieht, ist erschreckend und lehrreich zugleich“, sagte Georg Wackerbarth, Projektentwickler aus Bad Wildungen. „Hier werden Akzente gesetzt, von denen die Welt spricht.“