a A

Datenbank zu norwegischen Opfern des Holocaust

Chefkurator und Historiker Bjarte Bruland vom Jüdischen Museum in Oslo hat Mitte August für zwei Tage beim Internationalen Suchdienst (ITS) nach Informationen zu norwegischen Verfolgten des Nationalsozialismus geforscht. Sie sollen einfließen in eine neue Datenbank des Museums, das erst im September vergangenen Jahres eröffnet wurde. „Ich habe viele interessante Hinweise gefunden. Damit habe ich im Vorfeld nicht gerechnet“, so der Historiker.

Knapp 800 Namen, Fotos, Geburtsorte, Adressen und Deportationsdaten zu norwegischen Opfern des Holocaust beinhaltet die Datensammlung des Jüdischen Museums bereits. Im kommenden Jahr soll sie anlässlich der Eröffnung eines Dokumentationszentrums und einer Bibliothek im Jüdischen Museum vorgestellt werden. Von den rund 2100 Juden, die 1940 bei der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen in Norwegen lebten, wurde mehr als ein Drittel von Oslo über Stettin nach Auschwitz deportiert und umgebracht.

„Die Norweger haben sich erst spät mit der Judenverfolgung während des Zweiten Weltkrieges in ihrem Land auseinandergesetzt“, berichtet Bruland. Das Thema Widerstand stand für sie im Vordergrund, in dessen Bild die weitgehend ohne Gegenwehr erfolgte Deportation der jüdischen Minderheit nicht hineinpasste. „Für die Opferdatenbank habe ich jedoch viele Hinweise aus der Bevölkerung bekommen“, so der Historiker. Daneben besuchte Bruland zahlreiche Archive in Europa. Beim ITS überprüfte er nun die Namen von Opfern anhand der umfangreichen Zentralen Namenkartei. „Zu vielen Opfern fand ich weitere Hinweise, wie Häftlingsnummern oder Sterbedaten“, erzählt Bruland. Sein Ziel ist eine möglichst lückenlose Darstellung der Einzelschicksale.