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"Den Anderen in unser Mitte akzeptieren“

Wer den Film „Schindlers Liste“ des amerikanischen Regisseurs Steven Spielberg gesehen hat, erinnert sich an die Szene, in der Itzhak Stern - gespielt von Ben Kingsley - die Liste mit den aus Krakau zu rettenden Juden getippt hat: Er zieht das letzte Blatt Papier aus der Schreibmaschine, seine Hände zittern. Er hält das Konvolut Papier hoch und sagt zu Schindler - dargestellt von Liam Neeson: „Sehen Sie hier die Liste. Sie bedeutet Leben. Drumherum, da ist der Tod.“

Foto Quelle: Jüdisch Historischer Verein Augsburg

Der Internationale Suchdienst (ITS) verfügt in seinem Archiv über eine Liste jener 1.000 Juden – 700 männliche und 300 weibliche, darunter auch Kinder und Jugendliche –, die für Oskar Schindler arbeiteten. Mietek (Mieczyslaw) Pemper übergab diese 1958 persönlich in Bad Arolsen. Er war Schreiber bei dem berüchtigten Kommandanten des Konzentrationslagers Plaszow Amon Göth. Pemper lieferte an Schindler Informationen und Namen und trug so seinen Teil zur Rettung der „Schindler-Juden“ bei. Das Dokument im Archiv des ITS entstand nach Ankunft der Juden in Brünnlitz, wo Schindler offiziell ein Außenkommando des KZ Groß-Rosen betrieb, und wurde von Pemper selbst getippt.  

„Schindlers Juden“ waren offiziell Zwangsarbeiter, doch ist diese Zwangsarbeit nicht mit der Schinderei zu vergleichen, die andere Menschen über sich ergehen lassen mussten. Schindler, von den Überlebenden auch als „Vater Courage“ bezeichnet, wurde 1967 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.

Schindler trieb nach Ende des Krieges durch die Welt und konnte nur schwer Fuß fassen – ihm gelang beruflich kaum noch etwas und Anerkennung für seinen Mut erhielt er in der Bundesrepublik kaum. Im Gegenteil, nach Ausstrahlung eines TV-Porträts wurde er sogar auf offener Straße in Frankfurt am Main, wo er seit 1958 lebte, als „Judenknecht“ beschimpft. Glücklich war er immer dann, wenn er mit den Überlebenden von „Schindlers Liste“ zusammen sein konnte und besuchte auch aus diesem Grund immer wieder Israel. 1974 starb Oskar Schindler.

Der 1920 in Krakau geborene Pemper hatte sich 1958 in Augsburg niedergelassen und Psychologie sowie Soziologie studiert. Er war unter anderem als Unternehmensberater tätig. Im Zuge des 1994 in den deutschen Kinos gezeigten „Schindlers Liste“ geriet auch Pemper in den Fokus der Öffentlichkeit, reiste durch Deutschland, sprach mit Schülern, berichtete von Schindler und dem waghalsigen Akt der Rettung. Pemper äußerte aber auch seine Befürchtungen angesichts eines immer wieder aufkeimenden Antisemitismus. 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Am 7. Juni 2011 ist das bewegte und bewegende Leben Mietek Pempers zu Ende gegangen. Die Stimmen der Überlebenden erlöschen und es sind nur noch wenige, denen wir zuhören können, verblieben. Was uns bleibt, ist ihr Vermächtnis aufzugreifen. „Doch die Menschen werden sich erst dann höher entwickeln, wenn das Prinzip der individuellen Verantwortung Schule macht, wenn Nicht-Mitmachen zu einer Tugend wird und blinder Gehorsam an Wertigkeit verliert. Wir alle tragen die Verantwortung für eine bessere Zukunft. Dazu gehört meines Erachtens, den anderen in unserer Gesellschaft, den Fremden, in unser Mitte zu akzeptieren.“ (aus Mietek Pemper, Der rettende Weg. Schindlers Liste – Die wahre Geschichte, Hamburg 2005, S. 265)