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„Denk Mal“: Geschichtsprojekt von Münchener Jugendlichen

v.l.n.r.: Tariq Abo Gamra, Jaimee Lau, StD Reinhold Schira, Friedrich Haase, Soultana Militano, Julia Höhenleiter, Tristan Schachtner, Ines Mandic, Madita Leonhard

Zwischen 1933 und 1938 mussten 44 jüdische Schüler und ein Lehrer die damalige Gisela-Oberrealschule in München verlassen. Nun haben acht Schülerinnen und Schüler mit ihrem Seminarleiter Reinhold Schira in einem Projekt am heutigen Gisela-Gymnasium eindrucksvoll gezeigt, wie dieses Unrecht im nationalsozialistischen Deutschland und seine Folgen wieder in das Gedächtnis einer ganzen Schule zurückkehren können.

Intensive Suche nach Spuren

Die Recherche begann im Schularchiv. Dort konnten die Oberstufenschüler in den alten Jahrbüchern die Namen der Schüler und des Lehrers ermitteln. Mit diesen 45 Namen ging die Suche in verschiedenen Archiven weiter, darunter im Münchener Stadtarchiv und beim International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen. Elisabeth Schwabauer, Mitarbeiterin des Referats wissenschaftliche und pädagogische Projekte beim ITS, betreute die Recherche der jungen Historiker. Sie fanden heraus, dass drei Schüler und der Lehrer sowie viele der Angehörigen deportiert und in Konzentrationslagern ermordet worden waren. Ein Junge überlebte die Aufenthalte in den Konzentrationslagern Auschwitz und Mauthausen. Die meisten Schüler konnten rechtzeitig emigrieren und kamen zum Beispiel mit den Kindertransporten nach England. Es gelang den Jugendlichen, durch ihre detektivische Suche viele der Lebenswege im Detail nachzuzeichnen.

Lob von Angela Merkel und Joachim Gauck

Aus den Forschungsergebnissen gestaltete der Projektkurs eine Ausstellung sowie einen Film über die Recherchearbeit und lud am 10. November 2014 zu einer großen Gedenkfeier mit 170 Gästen. Außerdem gehörte zu dem Projekt „Denk Mal“ auch die Gestaltung einer Tafel mit den 45 Namen und der Inschrift „Verfolgt. Vertrieben. Ermordet.“, die nun im Treppenhaus der Schule allen folgenden Schülergenerationen das Unrecht und die Schicksale im Gedächtnis bewahrt. Anerkennung bekam der Projektkurs von allen Seiten, selbst von höchster politischer Ebene: Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte, „dass sich Schüler mit der Aufarbeitung des NS-Unrechts im eigenen Umfeld auseinandersetzen“. Auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zeigten sich beeindruckt von dem Projekt.