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Der Holocaust in Serbien

Neu gefundene Dokumente im Historischen Archiv Belgrad gaben den Anstoß zu einem internationalen Projekt über ermordete jüdische Frauen und Kinder im Konzentrationslager Sajmišt. Akim Jah stellte als Experte zum Thema Lernen und Lehren über den Holocaust die archivpädagogische Arbeit des ITS vor.

Im Konzentrationslager Sajmište, dem sogenannten „Juden-“ oder „Anhaltelager Semlin“ auf dem ehemaligen Belgrader Messegelände, starben schätzungsweise um die 8.000 Menschen. Bis vor kurzem gab es praktisch keine Informationen über die Opfer, bei denen es sich vor allem um jüdische Frauen und Kinder handelte, aber auch um eine unbekannte Anzahl von Roma-Frauen und -Kindern. Viele starben in dem unter Aufsicht der deutschen Waffen-SS stehenden Lager an Hunger und Krankheiten. Die systematische Ermordung der Inhaftierten durch die Nationalsozialisten fand im April und Mai 1942 in einer fahrbaren Gaskammer statt. Nachdem Archivare des Historischen Archivs Belgrad jüngst auf sechs Kisten mit unsortierten Dokumenten über circa 2.000 der ermordeten Menschen gestoßen waren, entstand die Idee, das internationale Projekt „Escalating into Holocaust“ zur Aufarbeitung der persönlichen Schicksale ins Leben zu rufen.

Information und pädagogische Angebote

Bis Februar 2017 sollen eine Datenbank mit den Namen der Opfer, eine Wanderausstellung, pädagogische Materialien und ein Online-Angebot entwickelt werden. Die Initiatoren planen, bei den einzelnen Bausteinen Erfahrungen aus internationalen Projekten und erfolgreich eingesetzten Methoden der Informationsvermittlung einfließen zu lassen. Dabei sollen die Ereignisse in einen gesamteuropäischen Zusammenhang gesetzt werden, auch mit ihren Auswirkungen auf die Nachkriegsjahre und vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen durch Intoleranz, Diskriminierung sowie dem wachsenden Antisemitismus und Antiziganismus in Europa.

Konferenz in Belgrad

Vom 20. bis 22. April 2016 trafen sich internationale Experten in Belgrad im Rahmen dieses von „EACEA – Europe for Citizens Programme“ geförderten Projekts zu einer Konferenz. Ein Workshop war dem Lehren und Lernen über den Holocaust gewidmet. Im Rahmen dieses Workshops hielt Akim Jah, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Forschung und Bildung beim International Tracing Service (ITS), einen Vortrag zur Bedeutung von Dokumenten über persönliche Schicksale und Verfolgungswege und deren Verwendung in der Bildungsarbeit. In Planung ist eine weitere Beteiligung des ITS an dem Projekt in Zusammenarbeit mit dem Historischen Archiv Belgrad und den weiteren vier Projektpartnern: dem internationalen Netzwerk Terraforming, dem niederländischen NIOD Institute for War, Holocaust and Genocide Studies, dem serbischen Center for Holocaust Research and Education und der Universität Rijeka.