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Die Anfangsjahre des „ungewollten Kindes“ ITS

Der Waldeckische Geschichtsverein hat gestern das Buch „International Tracing Service Arolsen“ von Bernd Joachim Zimmer vorgestellt. Es ist die erste Publikation zur Geschichte des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen, die sich mit den Anfangsjahren der Institution bis 1955 beschäftigt. „Der ITS hat vielen Millionen Menschen geholfen und dennoch fehlte eine ausführliche Darstellung seiner Geschichte“, sagte Zimmer. „Ich habe mich allerdings auf die ersten Jahre beschränkt, da das Buch sonst zu umfangreich geworden wäre.“

Ein „ungewolltes Kind“ sei der Suchdienst zunächst gewesen, sagte Zimmer. Davon zeugten unbeständige Trägerschaften, wechselnde Direktoren und eine unzuverlässige Finanzierung. „Ein Suchdienst für Zivilisten war neu“, so Zimmer. „Die Alliierten gingen davon aus, dass er nicht lange nötig sein würde.“ Inzwischen besteht der ITS seit 65 Jahren.

Etwa neun Millionen heimatlose Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung und Zwangsarbeit gab es am Ende des Zweiten Weltkrieges – eine nie zuvor gekannte Entwurzelung in Europa. Die Versorgung und Repatriierung der Menschen sowie die Suche nach lebenden Familienangehörigen waren die vordringlichen Aufgaben, für die Suchbüros in den verschiedenen Besatzungszonen und DP Camps eingerichtet wurden. Die Koordination der Arbeit sollte ein Zentrales Zonensuchbüro übernehmen.

Die Wahl fiel auf den Ort Arolsen, da es hier geeignete Kommunikationsmittel gab und der nordhessische Ort von allen Zonen aus leicht erreichbar war. Die Arbeit sei zunächst von Mangel geprägt gewesen, berichtet Zimmer. „Es gab kaum Papier und mitunter musste unter Kerzenlicht gearbeitet werden.“ Um die 1000 Mitarbeiter zählte der ITS in den ersten Nachkriegsjahren – „eine Stadt innerhalb der Stadt“.

Detailliert beschreibt Zimmer in dem 500-seitigen Band den Aufbau des Suchdienstes, die Diskussionen um den Standort und die Trägerschaft sowie seine Aufgaben. „Mir ging es darum, die Entwicklung aus der Sicht der damaligen Protagonisten zu schildern“, sagte der Autor. Als pensionierter Studiendirektor des Studienseminars in Kassel und promovierter Historiker hat der Arolser die Geschichte des nordhessischen Ortes unter dem Nationalsozialismus bereits in mehreren Büchern und Artikeln für Fachzeitschriften beleuchtet. Viele Jahre der Arbeit seien in die Veröffentlichung geflossen, äußerte Jürgen Römer vom Vorstand des Waldeckischen Geschichtsvereins. „Wir sind sehr froh, dass wir das Werk zu einem so wichtigen Thema herausgeben konnten und hoffen auf bundesweites Interesse.“

Bestellungen:

Bernd Joachim Zimmer
„International Tracing Service Arolsen”
Von der Vermisstensuche zur Haftbescheinigung.
Die Organisationsgeschichte eines „ungewollten Kindes“ während der Besatzungszeit

Geschäftsstelle des Waldeckischen Geschichtsvereins
Schlossstr. 24
34454 Bad Arolsen
Tel.: (0 56 91) 66 52 oder 62 67 50
Fax: (0 56 91) 62 67 79

ISBN: 978-3-932468-18-6
Preisinfo: 29,90 Euro
Seiten/Umfang: ca. 496 S. - 23,0 x 17,0 cm
Erscheinungsdatum: 1. Aufl. 05.10.2011
Aus der Reihe: Waldeckische Forschungen 18