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Die Ausstellung „Legalisierter Raub“ kommt nach Wolfhagen

„Da mein Sohn außerordentlich begabt ist, wie auch sein Lehrer bestätigt, bitte ich Sie, mir das Klavier des evakuierten Juden zu überlassen“: Mit dieser Bitte trat 1942 ein Offenbacher Bürger an sein Finanzamt heran. Zu dieser Zeit waren die Finanzämter mit der „Verwertung“ des Eigentums der Deportierten befasst, das seit der 1941 erlassenen 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz dem „Reich verfiel“: Überall kam es zu öffentlich angekündigten Auktionen aus jüdischem Besitz - Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten den Besitzer. Viele schrieben an die Finanzämter, um sich das begehrte Klavier oder die schönere Wohnung zu sichern.

Vorausgegangen waren ab 1933 zahlreiche Gesetze und Verordnungen, die auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Davon erzählt die Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“: Umgesetzt wurden die Maßnahmen von Beamten der Finanzbehörden in Kooperation mit weiteren Institutionen. In der Folge verdiente das „Deutsche Reich“ durch die Reichsfluchtsteuer an denen, die es in die Emigration trieb, wie an denen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten.

Vom 17. Januar bis 7. April 2013 wird die Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessische Rundfunks auf Einladung des Regionalmuseums Wolfhager Land und unter Schirmherrschaft von Landrat Uwe Schmidt in den Räumen des Museums zu sehen sein. Für die Präsentation wird die Ausstellung mit einem neuen, regionalen Schwerpunkt versehen: Er wird sich mit der Ausplünderung jüdischer Familien in Wolfhagen, Zierenberg, Naumburg, Volkmarsen, Breuna, Riede, Niedenstein, Gudensberg und Schauenburg (mit den Ortsteilen Hoof und Breitenbach) beschäftigen. Die Ausstellungsmacher rufen die Bevölkerung auf, sich an dessen Gestaltung zu beteiligen:

  • Sind in Ihrer Familie Gegenstände überliefert, die jüdische Familien vor der Auswanderung oder Deportation ihren Nachbarn zur Aufbewahrung übergeben haben?
  • Besitzen Sie Briefe, Fotografien oder andere Zeugnisse, die von ehemaligen jüdischen Nachbarn erzählen?
  • Wurden in Ihrer Familie Gegenstände vererbt, die auf öffentlichen Versteigerungen so genannten „nicht arischen Besitzes“ erworben wurden?

Dann sprechen Sie uns bitte an:

Bernd Klinkhardt
Regionalmuseum Wolfhager Land
Ritterstr. 1
34466 Wolfhagen
Tel.: 05692-992431
E-Mail: info@regionalmuseum-wolfhager-land

Dekan Dr. Gernot Gerlach
Evangelischer Kirchenkreis Wolfhagen
Kirchplatz 4
34466 Wolfhagen
Tel.: 05692 - 99 66 30
E-Mail: dekanat.wolfhagen@ekkw.de 

Arbeitskreis Rückblende - Gegen das Vergessen e.V.
1. Vorsitzender Ernst Klein
Benfelder Straße 21
34471 Volkmarsen
Tel.: 05693 - 991 49 90
E-Mail: ErnstWKlein@web.de

Gottfried Kößler
Fritz Bauer Institut
Tel.: 069 - 79 83 22 -32
E-Mail: g.koessler@fritz-bauer-institut.de

Dr. Bettina Leder-Hindemith
Hessischer Rundfunk
Tel. 069 - 155 40 38
E-Mail: Blederhindemith[at]hr-online.de

Auf Wunsch werden die Gespräche vertraulich behandelt.

Foto: Familie Lichtenstein aus Volkmarsen