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„Die Bilder verleihen den Dokumenten ein Gesicht“

Rund 130 Gäste – unter ihnen Bürgermeister Jürgen van der Horst, Landtagsmitglied Reinhard Kahl, Professor Dietfrid Krause-Vilmar und Ernst Klein vom Verein „Gegen das Vergessen“ - hat der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen am 3. September 2009 zur Eröffnung der Ausstellung „Der Soldat Tolkatchev – An den Toren zur Hölle“ begrüßt. „Wir freuen uns, erstmals eine Ausstellung in den Räumlichkeiten des ITS präsentieren zu können“, sagte ITS-Direktor Jean-Luc Blondel. „Dies ist ein weiterer Schritt der Öffnung unseres Hauses für die Region.“

Nach dem Beginn der Besucherführungen wolle der ITS jetzt auch durch Ausstellungen die zeitgeschichtliche Bedeutung der Dokumente im Archiv des ITS vermitteln, so Blondel. „Die Bilder der Ausstellung geben einen Eindruck vom Leiden der Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und verleihen den Schicksalen in den Millionen von Unterlagen ein Gesicht.“ Neben der Dokumentation der NS-Verfolgung sei die Erinnerungsarbeit und die Weitergabe des Wissens eine wichtige Aufgabe.

Die von der Gedenkstätte Yad Vashem konzipierte Ausstellung zeigt Reproduktionen von Zeichnungen und Illustrationen des russisch-jüdischen Soldaten Zinovii Tolkatchev. Unmittelbar nach der Befreiung der Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz hatte der Künstler seine Beobachtungen in emotionalen Momentaufnahmen festgehalten. „Ich konnte mich nicht losreißen von diesem verfluchten Stück Land, das ich hinter mir ließ, von dem schrecklichen menschlichen Abgrund. Mein ganzer Körper wurde durch stummes Schluchzen gequält“, sagte Tolkatchev damals.

Tolkatchevs überwiegend mit dem Bleistift festgehaltenen Bilder zeigten uns mit unverstelltem Blick den geschundenen Menschen, äußerte ITS-Historikerin Susanne Urban, die in die Ausstellung einführte. „Sie sind wie unsere papierenen Dokumente ein Beweis, dass es diese Menschen gab und dass jemand anderes, sich an diese Menschen als Individuum, nicht als Nummer erinnert. Auschwitz ist darstellbar.“

Drei Mitarbeiter des ITS trugen anlässlich der Eröffnung Zitate aus den Erinnerungsberichten von Überlebenden der Konzentrationslager vor. Anschließend gab es eine Führung durch die Ausstellung. Die Präsentation von Tolkatchevs Werken stellt den Beginn einer Ausstellungsreihe beim ITS dar. Künftig sollen mindestens zweimal jährlich künstlerische Werke sowie Forschungsergebnisse vorgestellt werden. „Durch die Ausstellung wird das Gebäude des ITS in eine neue Spannung gebracht“, so Urban. „Sie stellt uns klar vor Augen, was die Aufgaben des ITS waren, sind und sein werden.“

Die Ausstellung „Der Soldat Tolkatchev – An den Toren zur Hölle“ wird bis zum 19. Oktober 2009 zu besichtigen sein. Der Eintritt ist kostenlos. Ein Katalog kann für zehn Euro im Foyer des ITS erworben werden. Die Ausstellung ist Montag bis Donnerstag jeweils von 8.00 bis 17.00 Uhr, am Freitag von 8.00 bis 13.00 Uhr geöffnet.