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Die Kinder sollen wissen, was passiert ist

An einem Gedenkbuch für die Mitglieder der zionistischen Jugendbewegung B’nei Akiva, die vor dem Einmarsch der deutschen Truppen 1940 in Antwerpen gelebt hatten, arbeitet Salomon Hauser. Für seine Recherchen ist der Israeli Anfang August für drei Tage zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen gekommen. „Als ich hörte, dass die Archive offen stehen, habe ich mich zu der Reise entschlossen“, so Hauser.

In dem Gedenkbuch, an dem Hauser und sein Mitstreiter Jacques Offen nunmehr seit drei Jahren arbeiten, wollen die beiden Autoren Namen, Fotos und Lebensläufe der Jugendlichen veröffentlichen. Insgesamt 97 jüdische Teenager gehörten damals der Bewegung von B’nei Akiva in Antwerpen an. Die meisten von ihnen sind nach den Recherchen der beiden Israelis in Auschwitz ermordet worden. „Am langwierigsten war zunächst die Suche nach den Namen und Fotos“, berichtete Hauser. „In Arolsen konnte ich jetzt einige Lücken bei den Lebensläufen schließen.“

Der Autor ließ sich Kopien von Häftlings-Personalkarten und Transportlisten aushändigen, glich Geburtsdaten und Verfolgungswege ab. Bei der Mehrzahl der Jugendlichen gelang Hauser dank seiner weltweiten Recherchen eine weitgehend komplette Dokumentation der Einzelschicksale. In wenigen Fällen blieb es jedoch bei einem Foto oder einem Namen. „Die Angehörigen leben quer über die Welt verteilt, in Israel, den USA, Südamerika und Europa“, erzählte Hauser.

Der gebürtige Belgier selbst verlor durch den Holocaust seine gesamte Familie bis auf eine Schwester. Das Thema ließ ihn niemals los. Nachdem der Physiker inzwischen pensioniert ist, kann er sich voll und ganz der Aufarbeitung der Geschichte widmen. Auch das Schicksal seiner eigenen Familie will der Tel Aviver nach der Fertigstellung des Gedenkbuches zu Papier bringen. „Ich tue dies für unsere Kinder. Sie sollen wissen, was passiert ist“, so Hauser.

Für seine künftigen Recherchen will Hauser erneut zum ITS kommen. „Ich wusste nicht, was mich hier erwartet und wollte mir zunächst ein Bild machen. Jetzt habe ich eine erste Idee, was ich finden kann.“ Das zweisprachige Gedenkbuch zu den Jugendlichen aus Antwerpen soll in etwa einem halben Jahr auf hebräisch und englisch erscheinen. Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem unterstützt das Projekt.