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Die Kinder vom Bullenhuser Damm

Im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Vereinigung "Kinder vom Bullenhuser Damm e.V." hat Historikerin Christine Eckel vergangene Woche beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen recherchiert. Das Schicksal von 20 Kindern, die in der Nacht zum 21. April 1945 zusammen mit ihren Pflegern von der SS ermordet wurden, stand dabei im Fokus ihrer Arbeit. „Um ein möglichst komplettes Bild vom Verbrechen zu bekommen, gehen wir allen Informationen nach. Beim ITS sind die Kinderakten und die Fallkorrespondenz von besonderer Bedeutung“, so die 30-Jährige.

Die jüdischen Kinder wurden zu pseudomedizinischen Experimenten im November 1944 vom KZ Auschwitz zum KZ Neuengamme transportiert. Dort dienten sie dem SS-Arzt Kurt Heißmeyer für Menschenversuche zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Tuberkulose. „Es waren zehn Jungen und zehn Mädchen im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Sie kamen aus Polen, den Niederlanden, Frankreich, Jugoslawien und Italien“, berichtet Eckel. Als britische Truppen Hamburg erreichten, kam der Befehl aus Berlin, die Kinder zu beseitigen und die Spuren zu verwischen. „Der Keller der leer stehenden Schule Bullenhuser Damm in Hamburg diente als Tatort. Die Kinder und deren Pfleger wurden am Abend des 20. April 1945 dorthin gebracht, mittels einer Morphinspritze beruhigt und erhängt“, erzählt die Historikerin.

Der SS-Arzt Heißmeyer wurde 1966 in der DDR zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis dahin praktizierte er unbehelligt weiter. „Dem Stern-Journalisten Günther Schwarberg ist es zu verdanken, dass die Namen der Kinder vor dem Vergessen bewahrt werden können“, so Eckel. Ein Artikel im Jahr 1979 war der Beginn der Suche nach den Angehörigen der Kinder in zahlreichen Ländern.

Beim ITS prüfte die Hamburgerin anhand der Namen der Kinder sowie ihrer Angehörigen, ob es zusätzliche Informationen gibt. „Es ist wichtig zu betrachten, was über die Opfer vorliegt, aber auch welches Schicksal die Eltern durchlitten haben“, erklärt sie. Gibt es DP-Unterlagen und Hinweise auf Emigration, Suchanfragen nach den Kindern oder Kinderakten? Haben die Eltern Entschädigungsanträge gestellt und welche Informationen gehen daraus hervor? Diesen Fragen widmete sich die Historikerin bei ihrer Recherche in Arolsen.

Hintergrund der Arbeit ist die Neukonzeption der vorhandenen Ausstellung. „Wir setzen die Puzzleteile zusammen und hoffen, dass wir komplette Biografien der Kinder und deren Familien darstellen können“, so Eckel. „Ein Besuch beim ITS war daher sehr wichtig.“