a A

Die Kinder vom Kloster Indersdorf

Anna Andlauer hat Mitte April 2011 zu „Kindern im Kloster Indersdorf 1945-1948“ beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen recherchiert. Sie hat Akten durchgesehen, die vom Kindersuchdienst über elternlose oder vermisste Kinder unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges angelegt wurden. „Ich habe schon einige dieser Kinder in Kanada, England, Israel und den USA wiedergefunden. Nun erweitere ich meine Recherche auf Osteuropa“, sagte Andlauer.

Zahlreiche Kinder und Jugendliche, die den Holocaust überlebt hatten und aus Konzentrationslagern oder als Zwangsarbeiter befreit wurden, waren nach dem Krieg ohne Angehörige, Nahrung und Unterkunft. „Diesen jungen Menschen galt es zu helfen“, berichtet Andlauer. „Mitarbeiter der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration/Hilfs- und Wiederaufbau- Organisation der Vereinten Nationen) wurden beauftragt, für diese Kinder zu sorgen.“ Raum fanden die Alliierten im Kloster Indersdorf in Bayern. Hier entstand das erste Zentrum für traumatisierte Kinder und Heranwachsende in der amerikanischen Zone und hieß „International D.P. Children’s Center, Kloster Indersdorf, Germany“.

Andlauer war bis zu ihrer Pensionierung als Lehrerin in Indersdorf tätig. Eine Schülerin hat sie durch ihre Facharbeit auf das Thema gebracht. Seitdem hat sie viel Interesse für das DP Camp geweckt. „Ich wollte Kontakte zu den Kindern knüpfen“, erinnert sich Andlauer. „Dafür habe ich die Berichte einer ehemaligen Betreuerin der Kinder ausgewertet und Zeitungsanzeigen in Israel, England, Kanada und den USA geschaltet.“ Auch Postkarten hat die engagierte Bayerin versandt. „Die erste Antwort, die ich erhielt war ‚Yes, I am Erwin Farkas‘. Das war 2007.“

Mittlerweile hat Andlauer über 50 Kinder gefunden und viele von ihnen nach Indersdorf eingeladen. Unterstützt wird sie dabei von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. „Unsere Besucher betreten teilweise zum ersten Mal nach Verlassen des Klosters deutschen Boden“, erzählt Andlauer. „Es ist eine bedeutsame Erfahrung für die Kinder nach all den Jahren das Klostergebäude wieder zu betreten.“ Während der Besuche finden neben Gedenk- und Erinnerungsveranstaltungen auch Gespräche zwischen Schülern und Zeitzeugen in der heutigen Schule statt. „Wo früher die Schlafräume waren, sind heute Klassenzimmer.“

Da einige Kinder auch aus Polen, der Ukraine und Russland kamen, möchte Andlauer diese nun ebenfalls nach Indersdorf einladen. „Viele sind aus dem Kinderzentrum in ihre Heimat repatriiert“, weiß sie. „Beim ITS möchte ich diesen Schicksalen nachgehen und erhoffe mir Hilfe der Korrespondenzakten Kontakte zu knüpfen.“