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Dissertation über das Konzentrationslager Riga-Kaiserwald

Für ihre Dissertation hat Franziska Jahn eine Woche lang beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen Akten eingesehen. Die vom Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin unterstützte Historikerin baut auf ihrer Examensarbeit „Konzentrationslager Kaiserwald in Riga“ auf. „Aus den Dokumenten beim Suchdienst gehen genaue Angaben zu Lebensbedingungen und Überlebenschancen der Häftlinge im KZ Riga hervor.“

Die 28-Jährige hat für ihre Arbeit bereits das Staatsarchiv in Riga, die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg sowie das Bundesarchiv in Berlin besucht. Im kommenden Jahr wird sie noch nach Washington reisen, um am Holocaust Memorial Museum zu recherchieren. „Bisher gibt es kaum wissenschaftliche Forschungen zum Konzentrationslager Kaiserwald in Riga“, erzählte die Historikerin.

Das Lager wurde im März 1943 errichtet, um jüdische Bürger der besetzten baltischen Gebiete gefangen zu halten. Später wurden auch viele Juden aus dem Deutschen Reich nach Lettland deportiert sowie Opfer aus lettischen Ghettos ins Konzentrationslager verbracht. „Anhand der ITS-Unterlagen kann ich einzelne Lebenswege von Holocaust-Opfern aufzeichnen und Schlüsse daraus ziehen, so zum Beispiel wie alt die Häftlinge waren und wer die größte Überlebenschance hatte“, berichtete Jahn.

Im Unterschied zu Auschwitz oder Majdanek war Kaiserwald in Riga kein Vernichtungslager. Die Häftlinge wurden hauptsächlich von deutschen Großfirmen in der Produktion zur Zwangsarbeit eingesetzt. Ab September 1944 begannen die Deutschen die Gefangenen wegen des Vorrückens der Roten Armee ins KZ Stutthof zu evakuieren. „Überlebende der Lager Kaiserwald und Stutthof erzählen oft nur von Stutthof. Ich vermute, dass der Grund die unterschiedlichen Lebensbedingen in den Lagern waren. Viele sind auf dem Transport oder im Lager Stutthof umgekommen“, so die Historikerin.