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Doktorarbeit zu Psychologen in Konzentrationslagern

Mitte Mai hat Frank Wiedemann im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen für seine Dissertation recherchiert. Seit drei Jahren forscht der Historiker zu dem Thema „Psychologen im Konzentrationslager - Methoden und Strategien des Überlebens“. „Der ITS ist ein zentraler Punkt bei meiner Recherche. Hier finde ich Dokumente zu allen Konzentrationslagern“, so der 29-Jährige.

Wiedemann beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit mit der Frage, ob Psychoanalytiker, Psychotherapeuten, Psychologen oder Psychiater, zusammengefasst als Psychologen, aufgrund ihrer Profession spezifische Strategien zum Überleben im KZ entwickeln konnten. „Ich gehe davon aus, dass Psychologen aufgrund ihres Berufes die Methodik des im KZ forcierten Prinzips des ‚Menschen-zu-Nummern-machens‘ durchschauten und verstanden“, sagt Wiedemann. Sie kannten den Mechanismus dahinter, aber konnten sie sich dadurch auch besser schützen? Desweiteren stellt er sich die Frage, ob die im Umgang mit gewaltbereiten, skrupellosen Menschen geschulten Therapeuten, in der Begegnung mit einschlägigen Kapos oder SS-Wachen, andere Umgangsformen und Verhaltensweisen als Nicht-Psychologen entwickeln konnten.

Beim ITS hat der 29-Jährige Namen von jüdischen und nichtjüdischen Psychologen geprüft, darunter die bekannten Psychoanalytiker Viktor Frankl, Ernst Federn und Bruno Bettelheim. Bettelheim, geboren 1903 in Wien, wurde als Jude im KZ Dachau inhaftiert und später in das KZ Buchenwald deportiert. Dort traf er auf Ernst Federn, ebenfalls aus Wien, der als kommunistisches Parteimitglied im KZ Buchwald inhaftiert war. Beide analysierten ihre Erfahrungen mit der Extremsituation in Konzentrationslagern nach dem Ende der nationalsozialistischen Verfolgung und veröffentlichten dazu Aufsätze, die wichtige Quellen in der Dissertation darstellen.

„Bisher konnte ich keinen Zusammenhang einer etwaigen gemeinsamen ausbildungsspezifischen Überlebensstrategie ermitteln“, fasst Wiedemann als Fazit zusammen. „Allerdings ist zweifelsfrei nachweisbar, dass die einzelnen Psychologen individuelle Überlebensstrategien anwandten, die ihren Ursprung in ihrem Beruf haben bzw. aus ihrer spezifischen Ausbildung gezogen werden konnten.“