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DP Adam Kohn

Holocaust-Überlebender Adam (Adolek) Kohn ist durch ein einziges Video über Nacht berühmt geworden. Zum Song „I will survive“ tanzte er gemeinsam mit seiner Familie vor dem Eingang des Konzentrationslager Auschwitz. Die Reaktionen waren weltweit höchst unterschiedlich, reichten von Ablehnung bis Begeisterung. Beim ITS gingen Anfragen ein, ob es Dokumente zum Schicksal von Kohn gebe. Bestens dokumentiert ist vor allem seine Zeit als Displaced Persons, unter anderem durch einen DP Ausweis samt Foto von 1948 – unser Fundstück aus dem Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS).

Kohn kam 1921 im polnischen Plaszka zur Welt. Beim Einmarsch der Deutschen war er noch in der Ausbildung. Er wurde ins Ghetto Lodz und ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt. Am 8. September 1944 erscheint Kohn auf einer Transportliste von 300 Juden ins Außenlager Friedland (Niederschlesien) des KZ Groß-Rosen – das erste Dokument zu seiner Verfolgung im Archiv des ITS. Das Außenlager wurde erst mit diesem Transport eröffnet. Die Häftlinge mussten vorwiegend in der Rüstungsproduktion für die Vereinigten Deutschen Metallwerke arbeiten. Kohn wurde als „Mechaniker“ in der Liste der Berufe geführt. Mit dem Einrücken der Roten Armee am 9. Mai 1945 kam für Kohn die Befreiung.

Zunächst ging der Überlebende ins DP Camp Föhrenwald in Wolfratshausen. Abschließend zog es ihn bis zu seiner Ausreise nach München. Für seine Anerkennung als DP, der einen Anspruch auf Unterkunft und Unterstützung bei der Ausreise hatte, musste Kohn einen Fragebogen der Alliierten ausfüllen, der heute im Archiv des ITS lagert. Auf die Fragen „Warum haben Sie Ihr Heimatland verlassen?“, „Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?“ und „Warum wollen Sie nicht in Ihr Heimatland zurück?“ schrieb Kohn stur den immer gleichen Satz „Weil ich Jude bin.“ Auf die seltsam anmutende Frage „Welche deutsche Dienststelle hat Ihnen die Erlaubnis gegeben, nach Deutschland zu kommen?“ konnte der polnische Jude nur auf die „SS“ verweisen.

Am 20. November 1948 stieg Kohn zusammen mit seiner Frau Maria und seiner 1947 geborenen Tochter Celina an Bord des Schiffes „Eridan“ und wanderte in Richtung Australien aus, wo er und seine Familie bis heute leben. Der ITS hat Kohn Kopien von seinen Dokumenten zugesandt. Alle Mitarbeiter wünschen ihm und seiner Familie ein langes und glückliches Leben!