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Effektenrückgabe in Kamp Amersfoort

Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen konnte am 19. November 2011 in der Gedenkstätte Amersfoort zwölf Effekten aus dem Konzentrationslager Neuengamme an Familienangehörige ehemaliger Häftlinge zurückerstatten. „Nach so langer Zeit noch persönliche Gegenstände ihrer Angehörigen zu bekommen, stellte für alle einen besonderen Erinnerungswert dar“, sagte ITS-Mitarbeiterin Ulrike Witte, die zusammen mit drei weiteren Kollegen nach Amersfoort gereist war.

Zurzeit gibt es im Archiv des ITS noch circa 2.900 Effekten, deren Eigentümer namentlich bekannt sind. Sie stammen vorwiegend aus den Konzentrationslagern Neuengamme und Dachau. Ziel ist die Rückgabe einer möglichst hohen Anzahl an Überlebende der NS-Verfolgung und an Familienangehörige. Eine Liste der Namen findet sich auf der Website des ITS. In den Niederlanden konnten jetzt die Familien von zwölf ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Neuengamme gefunden werden. Bereits im vergangenen Jahr waren insgesamt 65 Effekten an niederländische Familien zurückgegeben worden.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde in der Gedenkstätte Amersfoort erhielten die etwa 50 Familienangehörigen die persönlichen Gegenstände. Teunis van der Kruijssen war gerade einmal fünf Jahre alt, als sein damals 22-jähriger Bruder Adrianus Aloisius van der Kruijssen im Sommer 1944 von der Gestapo verhaftet wurde. Am 8. September 1944 verschleppten ihn die Deutschen ins Konzentrationslager Neuengamme. „Lange Zeit haben wir damals nichts von ihm gehört“, berichtet sein Bruder. „Durch das Rote Kreuz wurde die Familie dann später informiert, dass mein Bruder verstorben sei.“ Er kam bei dem britischen Bombenangriff auf die Schiffe, mit denen die Häftlinge bei Kriegsende evakuiert wurden, in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945 ums Leben. „Viele Emotionen kommen in mir hoch, wenn ich die persönlichen Gegenstände meines Bruders jetzt erhalte“, so van der Kruijssen. Es handelte sich um ein Portemonnaie mit Münzen, einer Fahrkarte und einem Zettel mit der Häftlingsnummer. Auch eine Fliege für einen Smoking war mit dabei.

Digena Maria Kleinendorst-van Anrooij war viereinhalb Jahre alt, als ihr Vater zu Hause verhaftet wurde. „Diesen Moment habe ich noch gut in Erinnerung. Es war kalt und mein Vater hatte bei der Verhaftung nicht genügend warme Kleider an“, erzählt sie. „Am nächsten Tag habe ich ihn das letzte Mal gesehen. Ich durfte ihm noch einen Apfel zustecken.“ Augenzeugen berichteten der Familie später von den Umständen des Todes am 15. Dezember 1944. „Es geht nie vorbei“, sagte Kleinendorst-van Anrooij sichtlich bewegt, als sie die Effekten ihres Vaters entgegen nahm.

Der Vater von Margarethe Elisabeth de Zwart-van Oostenbrugge, Wilhelm van Oostenbrugge, wurde verraten. Er hatte ein jüdisches Mädchen, Klara Lackmatt, im Haus der Familie versteckt. „Ich war damals ungefähr 15 Jahre alt“, sagt seine Tochter. „Nach der Verhaftung habe ich ihn nie wieder gesehen.“ Er verstarb am 23. Januar 1945. Die ITS-Mitarbeiter überreichten der Tochter ein Portemonnaie des Vaters mit einigen Münzen sowie Zetteln mit Namen und Häftlingsnummer. „Heute ist ein schwerer Tag für mich“, sagte Zwart-van Oostenbrugge mit Blick auf die Effekten.