a A

EHRI: Portal für Holocaust-Forschung vorgestellt

Über die ganze Welt verstreut lagern in Archiven, Museen und Gedenkstätten Materialien zum Holocaust. Vor dem Hintergrund, dass schon bald keine Überlebenden mehr über die Jahre der Verfolgung berichten können, muss dieser Verlust durch neue Netzwerke und Forschungsstrukturen zumindest teilweise ersetzt werden. Ab sofort steht Forschern das neue Online-Portal der European Holocaust Research Infrastructure (EHRI) als Werkzeug zur Verfügung. Das EHRI-Portal ermöglicht den Zugang zu Daten über Archivmaterial zum Holocaust, das in Institutionen in mehr als 50 Ländern verwahrt wird. Robert-Jan Smits, Generaldirektor der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Union, präsentierte diese virtuelle Forschungsumgebung am 26. März 2015 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft bei der großen Abschlussveranstaltung des EHRI-1-Projektes.

Demokratisierung des Wissens

Das EHRI-Portal umfasst Informationen zu mehr als 1.800 Holocaust relevanten Institutionen und beinhaltet Beschreibungen zu einer großen Zahl von Archivmaterialien. Dr. Conny Kristel, Koordinatorin von EHRI, sieht in dem verbesserten Zugang nicht nur einen akademischen Nutzen, sondern weist zudem auf den gesellschaftlichen Wert hin: „Das EHRI Portal kann eine wichtige Rolle dabei spielen, das Wissen über den Holocaust zu demokratisieren“. Eine Zielsetzung ist dabei, angesichts von aktuellen Entwicklungen in Europa die Sinne dafür zu schärfen, dass die Vergangenheit sich nicht wiederholen darf.

ITS im EHRI-Verbund

Für das Archiv des International Tracing Service (ITS) nahmen Dr. Christian Groh, Leiter der Abteilung Archiv, und Jörn-Hendrik Kischlat, Leiter der Archivischen Erschließung, an der EHRI-Präsentation teil. Der ITS gehört zu den zwanzig Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, Archiven und Museen die in den letzten Jahren an der verbesserten Zugänglichkeit und Vernetzung der Sammlungen mitgearbeitet hat, um der Holocaust Forschung durch mehr Wissen über Quellen und Archivbestände eine breitere Basis zu geben. Auf der anderen Seite hat auch der ITS von den Erfahrungen in EHRI und dem Datenaustausch profitiert. Gefördert wurden und werden die EHRI-Projekte von der Europäischen Union (EU).

Information über alle EHRI-Projekte und -Partner

Fünf Jahre nach der Gründung von EHRI bot die Veranstaltung den über 200 Gästen aus Politik und Wissenschaft die Möglichkeit, sich über die Erfolge dieses Forums zu informieren. Neben der Erarbeitung des Online-Portals sind vor allem Konferenzen, Expertentreffen, summer schools und Online-Kurse zu nennen, mit denen EHRI eine multinationale Vernetzung der Holocaust-Forschung fördert. Zudem ging es in Berlin um die Zukunft der Holocaust-Forschung, die von EHRI mitgestaltet werden wird. Das 2014 von der EU genehmigte EHRI-2-Projekt sieht unter anderem den Ausbau des Online-Portals vor. Der ITS wird dabei an mindestens zwei Work Packages aktiv mitwirken. Die Veranstaltung bot allen EHRI-Partnern die Möglichkeit, ihre Institutionen mit eigenen Arbeitsschwerpunkten vorzustellen.

Das neue Online-Portal finden Sie unter folgender Adresse: portal.ehri-project.eu