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Eine Frage der Ethik

Für eine Studie zu medizinischen Experimenten hat Esther Cuerda Galindo von der Universität Madrid eine Woche beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen recherchiert. „Bislang haben wir vor allem Augenzeugenberichte ausgewertet. Jetzt möchte ich die Originaldokumente aus den Konzentrationslagern sichten“, sagte Galindo, die das Thema in einem kleinen Team von vier Wissenschaftlern beleuchtet.

Insbesondere die Zusammenarbeit von Universitäten und der Forschung mit der Lagerverwaltung interessiert Galindo. Die Woche nutzte sie, um sich zunächst einen Überblick zu den diesbezüglichen Dokumenten im Archiv des ITS zu verschaffen. „Es wurden regelmäßig Leichen aus den Konzentrationslagern an die Anatomischen Institute von deutschen Universitäten geliefert“, erzählt die Spanierin. „Ich will wissen, was mit ihnen passierte, wie die Studenten damit umgingen und welche Tests durchgeführt wurden.“ Zu den bekannten Verbrechen zählt etwa die Ermordung von Häftlingen für die Schädelsammlung im Anatomischen Institut der Universität Straßburg. In einem nächsten Schritt wird die Galindo auch die Archive der Institute besuchen.

Es habe verschiedene Arten von Experimenten gegeben, berichtet die Forscherin. Dazu zählten Tests neuer Medikamente und Impfstoffe, Experimente für die Wehrmacht, die Erprobung verschiedener Methoden der Zwangssterilisation sowie die persönlich motivierten Experimente von SS-Lagerärzten. „Es ist eine Frage der Ethik, die uns auch heute noch angeht“, so Galindo. „Ich werde nie verstehen, wie ein Arzt den Puls eines Menschen nehmen kann, der aufgrund seines Experiments stirbt.“