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Eintägige Exkursion der Herderschule Kassel

Der bilinguale Grundkurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12 der Herderschule Kassel hat am 14. Juni 2012 eine Exkursion ins Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS/International Tracing Service) Bad Arolsen unternommen. Nach einem einführenden Vortrag zur Geschichte des ITS und einem Ausschnitt aus einem Spielfilm des Jahres 1946 recherchierten die 18 Schüler in der Datenbank des ITS zu den Verfolgungswegen von jugendlichen Überlebenden des Holocaust. „Es war ein lehrreicher und überaus lohnender Tag, der vom ITS sorgfältig und individuell vorbereitet wurde“, lautete das Fazit von Lehrer Axel Wunderlich.

Die Schüler studierten die Unterlagen aus Ghettos und Konzentrationslagern und sahen sich die Akten des Kindersuchdienstes an, die von der Suche nach Verwandten berichten und erste Aussagen der damaligen Kinder und Jugendlichen zu ihren Erfahrungen enthalten. Viele der Kinder und Jugendlichen waren durch die Erlebnisse der Verfolgung in Ghettos und Konzentrationslagern schwer traumatisiert. Häufig hatten sie ihre Eltern und Verwandten verloren. „Hier liegt auf wenigen Seiten die ganze Lebensgeschichte eines jungen Menschen vor uns“, sagte Schülerin Johanna.

Die Schüler lernten kennen, wie mühevoll sich die Suche nach noch lebenden Verwandten und einer neuen Heimat für die Überlebenden gestaltete. Überrascht zeigten sie sich von den Verschiebungen der Grenzen und Nationalitäten, von der Vielzahl der Orte, an denen die Verfolgung stattfand, sowie von der Menge an Institutionen, die darin involviert waren und nach dem Krieg die Hilfe steuerten. „Es gibt so unglaublich viele Akten im Archiv des ITS. Und hinter jeder verbirgt sich ein Schicksal. Das hat mich ergriffen“, berichtete Till. Neugierig fragten die an angehenden Abiturienten nach, wer sich heute für die Dokumente interessiert und welche Anfragen es dazu beim ITS gibt.

„Ich bin beeindruckt, was die Schüler den Dokumenten alles an Informationen entnommen und wie schnell sie sich mit der Recherche in der Datenbank zurecht gefunden haben“, sagte Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung und Pädagogik beim ITS. Der eine oder andere Schüler hätte gerne auch noch mehr Zeit verbracht. „Leider war es schon vorbei, als wir gerade so richtig eingestiegen sind“, sagte Anna. Da der ITS die pädagogische Arbeit gerade erst begonnen habe, leisteten die Mitarbeiter „im wahrsten Sinne des Wortes Pionierarbeit“, lobte Lehrer Wunderlich. „Dies ist alles andere als selbstverständlich und schön zu erleben.“