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Einzelne Etappen des Lagers Sandbostel

Recherchen zur unmittelbaren Nachkriegszeit des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers in Sandbostel führten Andrea Genest diese Woche zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen. „Bisher ist wenig über diese Zeit des Lagers erforscht worden“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte. „Im Archiv des ITS habe ich wichtige Informationen für die neue Dauerausstellung entdecken können.“

Die Lagergeschichte von Sandbostel ist umfangreich und soll daher in ihren verschiedene Zeitetappen dargestellt werden, erläutert Genest. Erbaut wurde das Kriegsgefangenenlager Stalag X B im Jahr 1939. Mehrere hunderttausend Gefangene aus verschiedenen Nationen wurden hier von den Nationalsozialisten inhaftiert. Zum Ende des Krieges erreichten circa 9.000 KZ-Häftlinge auf ihrem Todesmarsch aus Neuengamme das Lager. „Auch nach dem Krieg wurde der Komplex weitergenutzt“, berichtet die Politologin. „Den Briten dienten die Baracken als Internierungslager, für das niedersächsische Justizministerium war es ein Gefängnis und ab 1952 wurden hier jugendliche DDR-Flüchtlinge untergebracht.“

Als die Briten das Lager am 29. April 1945 befreiten, fanden sie überwiegend Tote und Kranke vor. „Im nahegelegenen Seedorf wurde ein Camp für Displaced Persons eingerichtet“, berichtet die 41-Jährige. „Dort lebten die befreiten Häftlinge, auch aus anderen Lagern, bis in die fünfziger Jahre.“ Beim ITS hat sich die Gedenkstättenmitarbeiterin Emigrationslisten und Registrierungskarten der DPs angeschaut. „Wir wollen beispielhaft in der Ausstellung zeigen, wohin die Überlebenden emigriert sind und welche Dokumente dazu vorliegen. Aber auch die biografische Darstellung von einzelnen Schicksalen gehört dazu“, so Genest. „Bisher waren nur wenige Details bekannt. Aus jedem einzelnen jetzt erforschten Aspekt könnte noch ein größeres Projekt entstehen.“

Im Rahmen der Gedenkstättenförderung der Bundesregierung erhält die Stiftung Lager Sandbostel bis 2013 ein Budget für den Aufbau der Dauerausstellung zum Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager sowie zu dessen Nachkriegsgeschichte. Darunter fällt neben der Neugestaltung der Ausstellung auch die Sanierung der über elf noch originalen Baracken, die einen bundesweit einzigartigen Gebäudebestand bilden.