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Enge Zusammenarbeit mit der Universität Kassel

Im April und im Mai 2014 begaben sich zwei Gruppen von Studenten und Referendaren der Universität Kassel im International Tracing Service (ITS) auf die Spurensuche nach didaktischen Zugängen in historisch bedeutenden Dokumenten. „Ich begrüße es sehr, wenn die Zusammenarbeit mit dem ITS zu einem festen Bestandteil der Ausbildung wird und so neue Möglichkeiten für den Geschichtsunterricht entdeckt werden“, freute sich Hans-Peter Klein, Fachleiter Geschichte im Studienseminar für Gymnasien in Kassel und Lehrbeauftragter im Bereich Fachdidaktik Geschichte der Universität Kassel über die Kooperation. Er bewertet die Arbeit mit ausgewählten Dokumenten als wichtig für die Kompetenzentwicklung im Geschichtsunterricht. Diese Einschätzung teilten auch die Studenten und Referendare: Sie fanden viele Zugänge, im Wesentlichen für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, aber durchaus auch für jüngere Kinder, vor allem wenn man von einfach nachvollziehbaren Biografien mit Fotos und Dokumenten ausgeht.

Spürsinn gefragt

Bei der Veranstaltung des Studienseminars am 1. April 2014 ging es um „Multiperspektivische Annäherungen zum Thema Holocaust“. Am Beispiel eines mehrseitigen Antrags auf Unterstützung zur Auswanderung, der an die International Refugee Organization (IRO) gerichtet war, spürten die Referendare selbst die Faszination, die von dem forschend-entdeckenden Lernen ausgeht. Zunächst galt es - in gleichsam detektivischer Detailarbeit - zu rekonstruieren, wie und auf welchen Wegen die im Antrag genannten Menschen überhaupt zueinander gefunden hatten. Ausgehend von den enthaltenen Angaben zum jeweiligen Schicksal vor, während und nach der Verfolgung konnten immer weitere Fragen entwickelt werden und so auch die getrennten und dann gemeinsamen Wege beleuchtet werden. Die Referendare waren begeistert: „Je tiefer man bohrte, umso mehr neue Fragen taten sich auf“. 

Anregungen für fächerübergreifendes Lernen

Die Studenten der Fachdidaktik Geschichte, die am 23. Mai 2014 für einen Tag in Bad Arolsen waren, arbeiteten mit Dokumenten zum Holocaust und Genozid an Sinti und Roma. Sowohl personenbezogene als auch NS-Dokumente zeigten ein bewegendes Spektrum von Fragestellungen auf, die eine Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und ein besseres Verständnis der Folgen von Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus ermöglichten. Die Studenten fanden viele Anknüpfungspunkte für die schulische Aufbereitung und vor allem auch für fächerübergreifendes Lernen, beispielsweise durch die Analyse der damaligen Amtssprache im Deutschunterricht. Als sehr geeignetes Thema für den Dialog mit Jugendlichen kristallisierte sich auch das Thema „Eigenbild – Fremdbild“ und die Arbeit zur Wahrnehmung von Identitäten heraus.

Die Basis waren Dokumente zu einer deutschen Familie, die als Sinti - für die Studenten überraschend - in die deutsche Gesellschaft integriert gelebt hatten, später dann bis auf eine Tochter alle in Auschwitz ermordet wurden. „Betrachtet man das alte Familienbild gemeinsam mit den Schülern, dann wird ihnen auffallen, wie typisch 'deutsch' die Familie ausgesehen hat“, beschrieb Vanessa Schiller den Ausgangspunkt für eine solche Diskussion. Ein Hitlerporträt in der Liste des beschlagnahmten Eigentums der Familie untermauert die Annahme der damaligen Wahrnehmung als „ganz normale Deutsche“, die kurze Zeit später vom Regime und der Gesellschaft zu Feinden abgestempelt wurden. Ein Referendar fasste die Erfahrungen im ITS zusammen: „Wir fühlten uns heute daran erinnert, wie faszinierend Archivarbeit sein kann. Die Verbindung von technischen Möglichkeiten bei gleichzeitiger Arbeit mit Originaldokumenten bietet ein enormes Potential, insbesondere für die Arbeit Schülern.“