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Entwicklung von Kunstleder für Wehrmachtsstiefel

Hubert Eichheim hat für sein Buch „Endmoräne – Erinnerungen an eine Heimat 1938 – 1949“ beim International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen recherchiert. An zwei Tagen hat er sich die Bestände, die zu seinem Heimatort Türkheim in Bayern im Archiv des ITS aufbewahrt werden, angeschaut. „Mir geht es speziell um die Schuhfabrik Salamander, die auch in Türkheim ansässig war“, so Eichheim. „Da es bisher keinerlei Aufzeichnungen über Zwangsarbeiter dort gibt, bin ich neugierig geworden und habe angefangen Informationen darüber zu sammeln.“

Hinter dem Alpenfluss Wertach am Dorfrand von Türkheim befand sich eine Fabrik des Schuhherstellers. Was sich während des NS-Regimes dort abspielte, war den Einwohnern bisher nur unzulänglich bekannt, so der Autor. Während seiner Recherchen stieß er auf das Buch „Der Schuh im Nationalsozialismus“ von Anne Sudrow, dem er erste Hinweise entnehmen konnte. „Die Deutsche Wehrmacht benötigte rund 36 Millionen Stiefel. Da das Leder aus Tierhaut für eine solche Masse nicht ausreichte, musste eine Alternative gefunden werden“, berichtet der 79-Jährige. „Die Fabrik in Türkheim entwickelte Kunstleder als Ersatzstoff. Getestet wurden die Stiefel im Konzentrationslager Sachsenhausen von Häftlingen, die auf einer eigens angelegten Teststrecke stundenlang unter brutalsten Bedingungen marschieren mussten.“

Beim ITS hat Eichheim eine Meldeliste der Firma gefunden. „Angelo Tolazzi ist einer von 27 italienischen Zwangsarbeitern, die dort eingesetzt waren. Endlich habe ich einen Nachweis über den Einsatz von Zwangsarbeitern bei Salamander gefunden“, sagt der Autor. Die Aufgabe der Arbeiter bestand darin, Schuhe, die aus den Vernichtungslagern geliefert wurden und als Grundlage für den Ersatzstoff dienten, auseinanderzunehmen. „Auffällig ist, dass die Arbeiter nur bis 1944 dort eingesetzt waren.“ Eichheim vermutet aufgrund eines Schreibens der Fabrikleitung, dass die Arbeiten ab 1944 an anderer Stelle erledigt und nur das brauchbare Material geliefert wurde.