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Erschossen nach der Befreiung

Der landwirtschaftliche Zwangsarbeiter Josef Küstrin aus Jugoslawien wurde laut einem Dokument im Archiv des ITS „am 15. April 1945 wahrscheinlich von SS-Angehörigen im Walde“ bei Twiste (acht km von Arolsen entfernt) erschossen – also mehrere Tage nachdem die US-Armee das Gebiet bereits befreit hatte. Seine sterblichen Überreste wurden erst Monate später entdeckt.

Seine Partnerin Antonia Ticar aus der Tschechoslowakei wurde im sieben Kilometer entfernten Nieder-Waroldern gefunden. Sie war am selben Tag ermordet worden. Die beiden hinterließen ein fünf Monate altes Kind – Schicksal unbekannt. Die Mordfälle wurden damals von der Kriminalpolizei untersucht.

Das Dokument gehört zum Bestand der Zwangsarbeiter. Dazu zählen Arbeitsbücher, Versicherungsunterlagen, Krankenakten sowie Meldekarten von Behörden, Krankenkassen und Arbeitgebern. Im Dezember 1945 und Januar 1946 erteilten die Oberbefehlshaber der Besatzungsmächte in den Westzonen Deutschlands (amerikanische, britische und französische) den deutschen Behörden zudem den Befehl §163. Danach mussten diese alle Nachweise sicherstellen über Militär- und Zivilpersonen der Vereinten Nationen und alle anderen Ausländer, deutsche Juden und staatenlose Personen, die sich nach dem 2. September 1939 in Deutschland befanden oder dorthin verschleppt worden waren.