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„Erst wenn der Name verschwindet, verschwindet auch der Mensch.“

Wladimir Kukin, Leiter des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit in der Botschaft der russischen Förderation in Berlin, hat sich zwei Tage beim Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen einen Überblick über die Archivbestände, die Anfragenbearbeitung sowie die Aufgaben im Forschungs- und Bildungsbereich verschafft. Nach einer Tour durch das Archiv führte er Gespräche mit ITS-Vizedirektor Djordje Drndarski und Vertretern des ITS. „Die Zusammenarbeit bei Fragen der Schicksalsklärung war in der Vergangenheit erfolgreich“, unterstreicht Kukin. „Auch in Zukunft wollen wir bei Projekten mit dem ITS kooperieren.“

4081 Stätten, an denen russische Kriegsgefangene, KZ-Insassen und Zwangsarbeiter begraben liegen, sind der Kriegsgräberfürsorge bisher bekannt. „Neben dem Schicksal der russischen Bürger ist es den Angehörigen wichtig einen Ort zu haben, an dem sie Blumen niederlegen können“, weiß Kukin. Die Anfragen aus Russland leiten die Kollegen der Kriegsgräberfürsorge an den ITS und andere Stellen weiter. „Die Auskünfte aus Arolsen haben eine besondere Bedeutung für die Angehörigen“, erklärt Kukin. „Schon oft konnten sie den Familien Gewissheit über die Vergangenheit verschaffen.“

Nach seinem zweitägigen Besuch hat Kukin nun eine bessere Vorstellung von den Beständen im Archiv des ITS. „Insbesondere die Listen zu Gräbern aus der Nachkriegszeit sind für uns von Interesse. Ob die noch an den verzeichneten Stellen sind oder ob eventuelle Umbettungen vorgenommen wurden, werden wir nun recherchieren.“ Neben der Erfassung der Orte für russische Kriegsgräberstätten in Deutschland stehen vor allem die Schicksale der Opfer im Vordergrund. „Wir wollen eine möglichst genaue Anzahl der Namen zusammentragen, damit wir an die Menschen erinnern können“, so der Vertreter der Botschaft. „Erst wenn der Name verschwindet, verschwindet auch der Mensch.“