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Erste israelische Genealogengruppe forschte im Archiv

Neun Genealogen aus Israel, unter ihnen ein Überlebender des Holocaust, haben diese Woche in den Archiven des Internationalen Suchdienstes (ITS) geforscht. Es war die erste größere Gruppe aus dem jüdischen Staat seit der Öffnung der Archive vor einem Jahr. „Der ITS ist ein Sprungbrett für die Forscher, das viele Ideen für weitergehende Recherchen liefert“, sagte Rose Lerer Cohen, Genealogin und Organisatorin der Reise.

Hauptsächlich recherchieren die Forscher anhand der ITS-Dokumente die Schicksale von Familien. Sie schließen Lücken im Wissen um die Verfolgungswege. „Das Archiv enthält einen bedeutenden humanitären Aspekt. Es erzählt von den Einzelschicksalen des Holocaust und gibt ihnen ein Gesicht“, so Lerer Cohen. Gleichzeitig erfülle die Dokumentation des ITS eine wichtige Rolle für die Opfer des Holocaust und ihre Familien. „Sie hilft - sofern dies möglich ist - einen emotionalen Abschluss zu finden im Umgang mit dem schrecklichen Geschehen. In diesem Sinne ist es eine Schande, dass das Archiv so lange verschlossen blieb.“

Einige der Genealogen hatten sich bereits einige Tage zuvor in Yad Vashem mit der Zentralen Namenkartei des ITS vertraut gemacht. Diese liegt dort als digitale Kopie vor. In Bad Arolsen konnten sie zusätzlich Einblick nehmen in die Korrespondenzakten, die Anträge auf Entschädigung und Unterlagen der Überlebenden aus der Nachkriegszeit. „Es ist erstaunlich, was sich hier alles finden lässt“, berichtete Lerer Cohen. „Die Namensrecherchen geben interessante Anhaltspunkte für tiefergehende Nachforschungen.“ So können die Forscher ihre Erkenntnisse über die Geschichte einer Familie mit den Hintergrundinformationen aus dem Archiv verbinden.

Die jüdische Genealogie unterscheide sich insoweit auch von der  Familienforschung anderer Nationen, erläuterte Lerer Cohen. „Die verheerende Wirkung des Holocaust und die Migration der Juden haben Einfluss auf diese Forschung. Insofern spielt die Genealogie hier eine besondere Rolle und fragt stärker nach historischen Zusammenhängen.“