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„Es macht einen Unterschied“

Der Filmemacher Matthew Steinhart ist das Enkelkind von jüdischen Emigranten, die vor den Nationalsozialisten geflohen waren. Er ist Anfang Februar 2017 nach Bad Arolsen zum International Tracing Service (ITS) gekommen, um Aufnahmen für seinen Film über das Schicksal seiner Familie während der NS-Zeit zu machen. „Ich will herausheben, was sich noch an Spuren und Dokumenten finden lässt“, erzählt der US-Amerikaner. „Mich interessiert die Frage, wie wir heute mit dem Thema umgehen und was es uns bedeutet.“

Seine Großeltern stammten beide aus Hessen und sind unabhängig voneinander vor den Nationalsozialisten in die USA geflüchtet. Sie verließen Deutschland gerade noch rechtzeitig im Jahr 1939. Die beiden Exilanten trafen sich in New York und heirateten. Ihr gemeinsames Kind war Matthew Steinharts Mutter, die vor kurzem gestorben ist. „Für sie war das Thema von großer Bedeutung. Sie hat immer wieder versucht, mehr über ihre ermordete Familie zu erfahren“, berichtet Matthew Steinhart. „Ich bin froh, dass ich diese Recherche für sie tun kann.“

Zwei Tische füllen die Dokumente über die Familien seiner Großeltern. Immer wieder nimmt Matthew Steinhart den Briefumschlag seiner Urgroßmutter in die Hand, der sich unter den zahlreichen Unterlagen im Archiv des ITS befindet. Der Umschlag trägt ihre Handschrift und ist versehen mit einem NS-Stempel sowie der Bemerkung „geöffnet“. Es war der letzte Brief vor ihrer Deportation in den Tod. „Es macht einen Unterschied, die Originale zu sehen“, betont der Filmemacher. „Ich bin dankbar für ein Institut wie den ITS, das diese Dokumente aufbewahrt.“

Riga, Dachau, Auschwitz, Litzmannstadt, Theresienstadt, Stutthof - kaum ein Name von Stätten des Holocaust, der nicht in den Unterlagen auftaucht. „Ich bin in einer kleinen Familie aufgewachsen“, berichtet Matthew Steinhart. „Jetzt hier diese vielen Dokumente zu sehen, ist überwältigend. Es sind Menschen aus meiner Familie, Teil meiner Identität und meiner Wurzeln.“ Der US-Amerikaner plant in naher Zukunft, die Suche nach seiner Herkunft mit einem Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft abzurunden - knapp 80 Jahre, nachdem diese seinen Großeltern geraubt worden war.