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Familie Segal im DP Camp Hofgeismar

Ende Juni 2010 hat Julia Drinnenberg vom Stadtmuseum Hofgeismar den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen besucht. Sie recherchiert das Schicksal der Familie Segal, die als Displaced Persons (DPs) im Hofgeismarer Camp untergebracht waren. „Beim ITS fand ich die DP Registrierungskarten der Familie“, freut sich die Museumsmitarbeiterin.

Im Dezember 2009 nahm die jüdische Familie Segal erstmals Kontakt zum Stadtmuseum Hofgeismar auf. ‚Können Sie mir dabei helfen, mehr über meine Wurzeln und vor allem über den Ort zu erfahren, an dem ich geboren bin. Ich suche schon länger nach Informationen über das Lager für Überlebende des Holocaust in Hofgeismar bei Kassel. Ich bin dort am 30. September 1946 geboren. Meine Name war damals Sara Segal.’ Seitdem tauscht sich das Museum sehr intensiv mit der Familie aus und recherchiert nach ihrem Schicksal.

Durch die Berichte und Erzählungen von Chaim und Lucja/Sara Segal können viele Fakten aus der Nachkriegszeit in Hofgeismar rekonstruiert werden. „Fragen bezüglich der Lebensmittelversorgung, der sanitären Verhältnisse, der Kinderbetreuung und Ausbildungsmöglichkeiten im Camp bekommen durch die persönlichen Erlebnisse der Familie Segal einen besonderen Wert“, so Drinnenberg.

Chaim Segal, ein Halbbruder von Lucja, war am Ende des Zweiten Weltkrieges 17 Jahre alt und hat noch genaue Erinnerungen an die Zeit im DP-Camp Hofgeismar. Sein Verfolgungsweg begann 1941 in seiner galizischen Heimatstadt Boryslaw mit dem Einmarsch der Deutschen. Er wurde in ein Arbeitslager verschleppt. 1946 landete er schließlich in Hofgeismar. „Die Geschichte der Familie Segal zeigt auf, welches unermessliche Leid mit jedem der über 2000 Namen von Bewohnern des DP-Camps in Hofgeismar verbunden ist“, sagt Drinnenberg.

Beim ITS sichtet die Hofgeismarerin Zeugenprotokolle über Verfolgungsmaßnahmen in Galizien von 1942 bis 1944. „Chaim wurde verhaftet und in das Zwangsarbeitslager Boryslaw gesteckt. Seine Mutter, Schwester und Tante wurden dort ermordet“, erzählt Drinnenberg. Im Prozess gegen den SS-Obersturmführer Hildebrand, den Kommandanten in den Zwangsarbeitslagern Boryslaw und Drohobycz, hat Chaim als Zeuge ausgesagt. „Beim ITS konnte ich dazu eine Zeugenaussage des Onkels von Chaim finden. Nun folgt ein Besuch bei der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung in Ludwigsburg.“