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Findmittel als Genre – EHRI-Workshop zu vergleichenden Findmittelstudien in Bad Arolsen

Zehn Teilnehmer aus vier Ländern.

Vom 17. bis 21. Dezember 2012 veranstaltete der Internationale Suchdienst (ITS) einen Workshop im Rahmen des Work Package für Standards und Richtlinien des EU-Projekts „European Holocaust Research Infrastructure“ (EHRI). Unter der Leitung des renommierten niederländischen Archivwissenschaftlers Peter Horsman befassten sich die zehn Teilnehmer aus Israel, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden mit Fragen vergleichender Forschung an Findmitteln als Produkten („artefacts“) der Repräsentation von Archivgut. Hierzu griffen die Teilnehmer die aktuelle archivwissenschaftliche Diskussion von Findmitteln als „Genre“ auf.

Im Mittelpunkt standen vergleichende Fallstudien zu ausgesuchten Findbüchern des Niederländischen Instituts für Kriegs-, Holocaust- und Genozidstudien (NIOD-KNAW), der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem und des ITS. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede im Umfang der historischen Hintergrundinformationen, der Informationen über den Erschließungsprozess und hinsichtlich der Ausdifferenzierung der Feldtypen für die Datenerfassung und Archivalienbeschreibung.

Auch das jeweils spezielle Mandat, das den archivischen Einrichtungen von ihren Trägern aufgegeben ist, ließ seine Spuren sowohl in der Einleitung als auch bei der Titelbildung auf den unteren Verzeichnungsstufen erkennen. „Es zeigte sich, dass eine standardkonforme Beschreibung der Archive als Institutionen und damit auch eine Beschreibung ihres Mandats bereits geeignet sind, dem Nutzer wichtige Informationen darüber zu geben, wie die Findbücher zu lesen und zu verstehen sind“, sagte ITS-Archivar Karsten Kühnel. „Wenngleich die archivwissenschaftliche Theorie davon ausgeht, dass alle Nutzer durch die Findmittel in einer archivischen Einrichtung gleich gut bedient werden, so kann doch faktisch das institutionelle Mandat dazu gezwungen haben, eine oder mehrere Nutzergruppen durch die Art der Verzeichnung zu privilegieren“, erklärte Peter Horsman.

Neben weiteren Fragen befasste sich der Workshop auch mit dem Umgang mit Kopienbeständen in Archiven, ihrem Stellenwert und ihrer Qualität als „collection entity“ sowie mit der Möglichkeit, sie durch Referenzen auf die Originalvorlagen zu autorisieren. Peter Horsman betonte, dass die Tagungsergebnisse ein besonders wichtiger Beitrag für die Konzeption des EHRI-Portals seien, und er freue sich, dass dieser ursprünglich nicht vorgesehene Workshop durch die engagierte Spontanität der Vertreter der daran beteiligten Institutionen zustande gekommen sei. Am Ende der Auswertung der Ergebnisse soll Anfang März 2013 ein Bericht an das EHRI-Konsortium und später eine ausführlichere archivwissenschaftliche Behandlung in der internationalen Fachzeitschrift „Archival Science“ stehen.