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Forschung zu physischen Folgen der KZ-Haft

Die US-Amerikanerin Alicia Wolf hat für ihre Magisterarbeit an der West Chester University von Pennsylvania beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen recherchiert. Ihr Thema sind die körperlichen Folgen der Haft in Konzentrationslagern für Überlebende. „Bislang standen häufig eher die psychischen als die physischen Folgeschäden im Fokus“, erläutert Wolf. „Diese sind jedoch auch mannigfaltig und nicht selten lang anhaltend gewesen.“

Über eine Woche schaute sich die Forscherin im Archiv des ITS vor allem die Zeugenaussagen von Überlebenden und Unterlagen von Displaced Persons an. Gleichzeitig studierte sie die Berichte der Soldaten, die die Konzentrationslager befreit hatten. „Die Alliierten haben ziemlich detailliert aufgeschrieben, was sie vorfanden“, erzählt die junge Forscherin. „Sie erkannten die Bedürfnisse der Überlebenden und sorgten für medizinische Hilfe.“ Dennoch blieben körperlichen Schäden zurück. „Einige Häftlinge wurden aufgehängt und geschlagen, was zu muskulären Problemen führte. Andere behielten gelähmte Gliedmaßen zurück, verloren Zehen aufgrund von Erfrierungen. Typhus grassierte in den Lagern. Viele hatten offene Wunden oder litten unter Herzmuskelschwäche.“

Zudem gab es in einigen Lagern medizinische Experimente, deren Folgen die wenigen Überlebenden immer begleiteten. Auch die schlechte und mangelhafte Ernährung hatte Auswirkungen auf die Organe. „Meine Erkenntnisse werde ich auf jeden Fall noch mit Medizinern besprechen müssen“, so Wolf. Daneben will sie vergleichend Erfahrungen mit Haft und Folter in heutiger Zeit betrachten. Und in weiteren Archiven noch deutlich mehr Aussagen von Überlebenden ansehen und Interviews hören.

Seit Ende Juli führten ihre Recherchen Wolf bereits quer durch Europa. Berlin, Warschau, Auschwitz, Krakow, Prag, Neuengamme, Dora-Mittelbau und München waren einige der Stationen. „Insbesondere den Besuch der Gedenkstätten empfand ich als gewinnbringend, um mir den nötigen Background für meine Forschungsarbeit zu schaffen. Ich hoffe, dass ich auch noch einige Überlebende persönlich sprechen kann.“ (Wer Wolfs Arbeit als Zeitzeuge unterstützen möchte, kann sich per Email bei ihr melden unter aw760783@wcupa.edu.) Bis Herbst 2013 will die US-Amerikanerin ihre Arbeit abschließen.