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Forschung zur Zwangsarbeit in Leipzig

Mit fünf Forschern hat der Verein der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig Ende November 2011 das Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) nach interessanten Dokumenten für seine Arbeit durchforstet. „Wir wollen die Dauerausstellung auf dem Gelände des früheren Rüstungsbetriebes HASAG überarbeiten und die Lücken in unserer Dokumentation füllen“, erklärte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Josephine Ulbricht.

Die Dauerausstellung der Gedenkstätte informiert über die Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus in der Region Leipzig. Der Trägerverein bietet sich zugleich an als Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiter, organisiert öffentliche Veranstaltungen, forscht und engagiert sich in Bildungsprojekten. Für eine solide wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas hat der Förderverein der Gedenkstätte nun eine Arbeitsgruppe von Forschern zusammen gestellt. Ziel war es zunächst, die vorhandene Sammlung der Gedenkstätte zu sichten und ein Bestandsverzeichnis anzulegen. „Jetzt sind wir dabei, uns einen Überblick über die Dokumentenlage in verschiedenen Archiven zu verschaffen. Dann wollen wir das neue Ausstellungskonzept erarbeiten“, berichtet Ulbricht.

Der wichtigste Profiteur der Zwangsarbeit in und um Leipzig war der Rüstungskonzern Hugo und Alfred Schneider AG (HASAG) mit mehreren Produktionsstätten. Auf dem Gelände des Hauptwerkes, von dem heute nur noch das alte Verwaltungsgebäude steht, befindet sich auch die Gedenkstätte. Ab 1938 kamen Zwangsarbeiter aus ganz Europa zum Einsatz, ab 1944 wurde ein Teil der Produktion auch als Außenlager des KZ Buchenwald betrieben mit überwiegend weiblichen, jüdischen Häftlingen. Darüber hinaus gab es in der Region weitere Außenlager des KZ Ravensbrück. „Wir wollen einerseits die Schicksale ehemaliger Häftlinge rekonstruieren. Andererseits ist die historische Forschung eine Voraussetzung für die Erarbeitung von Ausstellungen, Vermittlung von Informationen und für die pädagogische Arbeit“, so Ulbricht.

Neben zahlreichen Überstellungslisten von KZ-Häftlingen zwischen den KZ-Hauptlagern und -Außenlagern fand die Arbeitsgruppe im Archiv des ITS dazu auch besondere, bislang unbekannte Quellen. „Hierunter befanden sich zum Beispiel Dokumente über Trauungen von polnischen Zwangsarbeitern bei der HASAG in Leipzig oder ein von vier Jüdinnen gezeichneten Lageplan zum KZ-Außenlager der HASAG in Taucha“, erzählt die 30-jährige Forscherin.

Bislang gebe es noch recht wenige Informationen zur HASAG als Profiteur von Zwangsarbeit, weiß der Historiker und Fördervereinsmitglied Martin Clemens Winter. „Eine Gesamtdarstellung steht noch aus.“ Die HASAG galt als so genannter „NS-Musterbetrieb“. „Den Gegensatz von den guten Arbeitsbedingungen für deutsche Angestellte und der zugleich stattfindenden Ausbeutung von Zwangsarbeitern wollen wir auch herausarbeiten“, sagte Ulbricht. Für das kommende Jahr sind weitere Recherchen im Stadtarchiv Leipzig sowie im Archiv der Gedenkstätte Buchenwald geplant.