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Forschungsprojekt zu Lagern in Italien

Dr. Roman Herzog, Politologe und Dokumentarist, hat zwei Tage im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS/International Tracing Service) Unterlagen zu Lagern in Italien eingesehen und sich über die Bestände zu Italien und italienischen Verfolgten informiert. Im Archiv des ITS wird unter anderem Korrespondenz mit dem italienischen Innenministerium und dem Roten Kreuz über diese Orte und die dort Inhaftierten sowie einzelne Dokumente aus den Lagern aufbewahrt. „Wir sind ein Team von Wissenschaftlern, das eine Liste aller faschistischen Lager in Italien erstellen möchte. Ich kann die Liste nach dem Besuch in Arolsen um bestimmt 20 neue Namen ergänzen“, freut sich Herzog.

Das Forschungsprojekt, das unter der Leitung der italienischen Vereinigung freier Dokumentarautoren Audiodoc läuft, wird eine neue Topografie Italiens in der Zeit des Faschismus und der späteren deutschen Besatzung erarbeiten. „Neben den Namen der Lager sollen alle wesentlichen Punkte wie Geschichte und Daten enthalten sein. Auch soll ein Vergleich zwischen italienischen und deutschen Konzentrationslagern und Haftstätten möglich sein.“ In verschiedenen Archiven hat Herzog bereits recherchiert. „Dass ich beim ITS auf derart umfangreiche Informationen stoße, hätte ich nicht gedacht.“

Schwierig in Italien sei die Bezeichnung der unterschiedlichen Inhaftierungsorte. Ab 1926 wurden systematisch Kommunisten und gewöhnliche Straftäter sowie Deportierte aus den Kolonien interniert. „Die ersten Konzentrationslager gab es dann ab 1940“, berichtet Herzog. „Die Vermischung der Bezeichnungen von Konzentrationslagern, Internierungslagern und Inhaftierungsorten lässt sich auch in den Dokumenten beim ITS ersehen“, so der 44-Jährige.

Herzog selbst hatte bereits 2009 umfangreiche Materialien vom ITS zur Verfügung gestellt bekommen. Seinerzeit befasste sich das Projekt mit dem Schicksal italienischer Militärinternierter. Die Ergebnisse seiner jetzigen Recherchen sind auf der Website www.campifascisti.it zu sehen.