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Französisches Nationalarchiv verschafft sich einen ersten Überblick

Odile Welfelé, Christian Oppetit, Vincent Bouat und Michel Kerbellec vom Französischen Nationalarchiv haben sich drei Tage lang über das Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen informiert. Im Mittelpunkt ihres Interesses standen vor allem die Art der Dokumente und die digitale Datenbank, da das Nationalarchiv voraussichtlich im kommenden Jahr Empfänger einer Kopie der ITS-Datenbestände sein wird. „Die Dokumente aus dem Archiv des ITS werden für die Forschung in Frankreich nicht nur eine Ergänzung sein, sie eröffnen eine neue Ära und tiefere Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus“, sagte Oppetit.

Die vier Mitarbeiter des Nationalarchivs machten zunächst einen ausführlichen Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen des ITS-Archivs von der Zentralen Namenkartei über die Bereiche Inhaftierung, Zwangsarbeit und Displaced Persons bis hin zur Korrespondenzablage. Sie ließen sich die Bearbeitung von Anfragen, die Digitalisierung, Katalogisierung und Konservierung der Dokumente sowie die ersten Initiativen im Bereich Forschung erläutern. „Wir wollten besser verstehen, welche Dokumente es hier gibt, welcher Zugang zu ihnen besteht und welche Möglichkeiten die Unterlagen für Forscher bieten“, erklärte Bouat. „Wir haben einen guten Überblick gewinnen können.“

Besonders intensiv beschäftigten sich die Franzosen mit der digitalen Datenbank des ITS, dem O&S-Archiv. „Frankreich hat strenge Regeln in Sachen Datenschutz“, erläuterte Welfelé. „Dennoch sollte der nationale Status nicht dazu führen, dass die Zugangsregeln sich stark unterscheiden. Hier werden wir noch einige Fragen klären müssen.“ Der ITS bietet seit November 2007 freien Zugang zu den Dokumenten in seinem Archiv. Allein die Korrespondenz mit Opfern der NS-Verfolgung und ihren Familienangehörigen enthält eine Sperrfrist von 25 Jahren.

„Beim ITS gibt es sehr persönliche Dokumente und die Vielfalt der Unterlagen ist überaus komplex“, ergänzte Bouat. „Es wird eine Herausforderung für uns sein, die Dokumente zugänglich zu machen.“ Unter anderem soll es ein Handbuch auf Französisch zu den ITS-Beständen geben und Mitarbeiter des Nationalarchivs sollen speziell geschult werden. „Ich bin froh, dass wir mit dem ITS eine solide Institution als Partner haben, mit der wir uns austauschen können“, freute sich Oppetit. „Bei meinem letzten Besuch vor fünf Jahren schien die Zukunft noch deutlich ungewisser.“