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Gauck beim ITS

Joachim Gauck, Bundesvorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen - Für Demokratie“, hat gestern den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen besucht. „Das war lange überfällig“, so Gauck. „Ich bin beeindruckt und bewegt.“ Er besichtigte das Archiv, informierte sich über den Aufbau der Forschung und schaute sich Anfragen von NS-Opfern und ihren Familienangehörigen an.

„Ich habe mir selbst ein Bild davon machen können, wie wichtig die Arbeit des ITS ist“, sagte der langjährige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) der DDR. „Hier arbeiten Menschen daran, dem Vergessen zu wehren, Namen zu finden und zu bewahren – sie arbeiten also daran, die Würde des Menschen zu erhalten.“

Er habe viel dazu gelernt, versicherte Gauck. „Details, von denen ich bislang nicht wusste, berühren einen natürlich besonders.“ Dazu zähle etwa eine Läuseliste aus dem Konzentrationslager Groß-Rosen. „Diktatoren schreiben alles auf, weil sie nicht an das Ende ihrer Herrschaft glauben.“ Der Bundesvorsitzende sprach sich dafür aus, dass die Dokumentensammlung des ITS in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben müsse. „Sie ist in gewisser Weise auch ein Denkmal dafür, wie wir mit unserer Geschichte umgehen.“

Wichtig sei es, der nachfolgenden Generation das Wissen zu vermitteln. „Freiheit ist heute für viele ein selbstverständliches Gut“, so Gauck. „Doch wir müssen uns ihrer Verantwortung stellen.“ Die Dokumentation des ITS biete sich an für pädagogische Projekte mit Schulen. Zudem gliederten sich die Aufgaben des ITS in die Erinnerungsarbeit anderer Initiativen wie etwa der Geschichtswerkstätten ein und ließen sich daher gut vernetzen. „Wir brauchen Mitwirkende bei der Aufarbeitung unserer Vergangenheit.“

Nach dem Besuch des Suchdienstes eröffnete Gauck die neue Ausstellung des Vereins „Rückblende - Gegen Vergessen“ in Volkmarsen. Der Verein tritt ein für Toleranz und die Achtung der Menschenwürde, gegen Gewalt und die Ausgrenzung von Minderheiten. In der Ausstellung wird vor allem das Leben und Schicksal jüdischer Familien aus der nordhessischen Region vor und während des Nationalsozialismus dargestellt. „Es sind die vielen Bürgerinitiativen vor Ort, die die Erinnerung wach halten und die Seele unserer Arbeit ausmachen“, sagte Gauck.