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Gedenkveranstaltung zu Deportationen

In der Nordhessenhalle von Volkmarsen hat vor rund 140 Gästen am 9. September 2012 eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der dritten Deportation von Juden aus dem Regierungsbezirk Kassel stattgefunden. „Unsere Erinnerung kann das Leid nicht ausdrücken, dass den Menschen widerfuhr, aber wir können den Opfern unsere Achtung bezeugen“, sagte Ernst Klein vom Verein „Rückblende - Gegen das Vergessen“, der die Veranstaltung in Kooperation mit zahlreichen Partnern aus der Region organisiert hatte.

Am 7. September 1942 wurden mit dem dritten Transport aus Kassel unter der Bezeichnung XV/1 753 Juden aus dem Regierungsbezirk Kassel deportiert mit dem Ziel Theresienstadt. Die Betroffenen waren überwiegend ältere Menschen. Sie kamen aus 59 verschiedenen Orten Nordhessens. 145 starben in Theresienstadt, die meisten anderen in den Vernichtungslagern. Nur 63 überlebten. „Wir müssen die Vergangenheit annehmen und uns immer wieder mit dem Thema auseinandersetzen“, betonte Regierungspräsident Walter Lübcke in seiner Ansprache. „Die Wahrung der Menschenrechte und die Achtung vor dem Anderen gilt es zu erhalten und an die kommenden Generationen weiterzugeben.“

Landrat Reinhard Kubat ging in seinem Redebeitrag der Frage nach, warum einstige Nachbarn und Freunde wegschauten, als das Unrecht geschah. „Die Passivität und Mitschuld waren sicher ein Grund für die jahrelange Verdrängung.“ Die Veranstaltung und die Arbeit des Vereins „Gegen Vergessen“ leisteten einen notwendigen Beitrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit, aber auch zu den Lehren für die Zukunft.

Eine Vorstellung von den Verhältnissen im Ghetto Theresienstadt vermittelte eine Lesung durch Rundfunkredakteur Thomas Korte. Er trug Passagen aus den bewegenden Erinnerungen von Otto Bernstein vor, der zeitweise in Volkmarsen gelebt hatte und als über 70-Jähriger deportiert worden war. Sein Fazit lautete damals: „Wir sind hier lebend begraben“. Anlässlich der Veranstaltung stellte Ernst Klein auch sein neu erschienenes Buch „Verschwundene Nachbarn – Verdrängte Geschichte“ vor, eine Dokumentation zur deutsch-jüdischen Regionalgeschichte im nordhessischen Waldeck.

Ernst Klein
„Verschwundene Nachbarn – Verdrängte Geschichte“
Herausgeber: Arbeitskreis Rückblende gegen das Vergessen Volkmarsen
302 Seiten
IBSN: 978-3-924259-11-2
17,50 Euro