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Gedenkveranstaltungen in Vöhl

Im Juni 1942 wurden mehr als 500 Juden aus dem Regierungsbezirk Kassel nach Sobibor und Majdanek deportiert. Der Förderkreis Synagoge in Vöhl e.V., der Landkreis Waldeck-Frankenberg, die Gemeinde Vöhl, die Volkshochschule Waldeck-Frankenberg und der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) haben am vergangenen Wochenende in Vöhl an die Opfer erinnert.

508 Juden aus Nordhessen wurden am 30. und 31. Mai 1942 aus ihren Häusern abgeholt und nach Kassel transportiert. In Briefen, die bereits Wochen vorher kamen, war die Rede von „Umsiedlungsmaßnahmen“ und „Evakuierungen“. „Viele sorgten sich, dass sie nicht wiederkommen würden, sie hatten aber noch Hoffnung“, erzählte Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis der Synagoge Vöhl. Mit dem Zug wurden sie unter Bewachung der örtlichen Polizei zur Sammelstelle nach Kassel verschleppt. Vom dortigen Hauptbahnhof ging die Deportation am 1. Juni 1942 in die Vernichtungslager Sobibor und Majdanek.

„Wie konnte es dazu kommen, dass Menschen wegschauen oder aktiv mitmachten“, sagte sich Stadtler während der Eröffnung der Ausstellung „Deportation nach Sobibor und Majdanek“. „Diese Frage sollten wir uns stellen und uns bewusst machen, dass es oft nur ein kleiner Schritt ist zwischen zuschauen und mitmachen.“ Auf Plakaten, die von Geschichtsinteressierten von Volkmarsen bis Battenberg zusammengetragen wurden, wird an die verschiedenen Familien erinnert.

So etwa an die Familie Jakob aus Rhoden. Heinrich Friele hat recherchiert, dass die jüdische Händlerfamilie aus seinem Heimatort ein unauffälliges und bescheidenes Leben führte. „Doch ab 1933 kamen neben den Repressalien von politischer Seite auch die Missachtung der Mitbürger hinzu“, so Friele. „Ein von Karl Heinemann aufgeschriebenes Schmäh- und Spottgedicht zur Familie Jakob und ihrem Haus macht deutlich, wie die jüdischen Bürger in jener Zeit behandelt wurden.“

Ein Spinnennetz soll die Deportationen aus dem Regierungsbezirk Kassel kenntlich machen. „Gleichzeitig wird die Logistik der Maßnahmen der Nationalsozialisten deutlich“, so Stadtler. In einer Endlosschleife laufen alle Namen der Opfer über einen Monitor. Ein Modell des Lagers Sobibor haben Jugendliche aus Vöhl angefertigt. Und die Dauerleihgabe „Sie gingen aufrecht“ der Künstlerin Eva Renée Nele ist zu sehen. „Teile der Ausstellung sollen in den Schulen im Umkreis ausgestellt werden“, kündigt Stadtler an.

Marion Möller, Geschichtslehrerin an der Alten Landesschule in Korbach, unterstreicht während des Rundgangs das Engagement der Menschen aus Waldeck-Frankenberg, die sich zusammengeschlossen haben, um an die Opfer des Holocaust zu erinnern. „Wir werden auch zukünftig in diesem Bereich zusammenarbeiten“, so Stadtler. Eine weitere Veranstaltung zur dritten Deportation aus Kassel ist für den 9. September 2012 in Volkmarsen geplant.