a A

Geschichtswerkstatt von Schülern aus Wolfhagen zur NS-Verfolgung

Eine Schülergruppe der Filchner-Gesamtschule Wolfhagen hat Mitte November unter dem Titel „Das Terrorsystem des Nationalsozialismus – die Schicksale der Opfer“ ein Projekt im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) begonnen. Die Geschichtswerkstatt aus 16 Schülern der 10. und 11. Klasse untersucht vor allem Biografien aus dem Umkreis des nordhessischen Wolfhagen. „Das Thema berührt einen ganz anders, wenn es um die vertraute Umgebung geht. Wir leben hier schließlich und so ist es auf einmal nicht mehr weit weg“, sagte die 17-jährige Schülerin Paula Schröder.

Themenfelder der Geschichtswerkstatt sind die Organisation des Terrorsystems und der Konzentrationslager, die Zwangsarbeit in Nordhessen sowie Opfer der Verfolgung und Displaced Persons in der Region Wolfhagen. Paula schaute sich gemeinsam mit Mitschülerin Claudia Wilhelm das Schicksal der jüdischen Familien aus Wolfhagen an. „Wir kannten bisher nur den jüdischen Friedhof und ein Denkmal. Jetzt können wir im Archiv des ITS die Biografien zu den Familien recherchieren, die hier gelebt haben“, erzählte die Schülerin.

Walter Hammermeister und Magnus Knoll haben sich auf die Suche nach russischen Zwangsarbeitern begeben. „Ich bin erschrocken vom Ausmaß der Zwangsarbeit in Wolfhagen und Volkmarsen. Ich hätte Zwangsarbeiter eher in einer Stadt wie Kassel vermutet“, berichtete der 17-jährige Walter. Genauer wollen sie sich jetzt mit einer russischen Familie befassen, die im ehemaligen Ziegelwerk Rumpf in Volkmarsen gearbeitet hat. „Es ist erstaunlich, wie lang und umfangreich die Namenslisten der Zwangsarbeiter sind. Zugleich erweist es sich jedoch als schwierig, nach den Firmen zu forschen. Sie existieren zumeist nicht mehr und im Internet finden sich kaum Einträge“, so Magnus.

Die Recherche in einem Archiv sei eine wichtige Erfahrung für die Schüler, meint Lehrer und Projektbetreuer Marcus von der Straten. „Es ist Neuland und in jedem Fall anders als die aufbereiteten Informationen aus dem Schulbuch.“ Manche Dokumente seien nur schwer lesbar, die Recherche nach Ortsnamen sei im kaum erschlossenen Archiv des ITS noch kompliziert und zu einzelnen Biografien gebe es nur bruchstückhafte Informationen. „Da spüren die Schüler auch schon mal die Frustrationen eines Forscherlebens und das diese immer mehrere Quellen und Archive nutzen müssen“, so von der Straten. „Aber es lohnt sich in jedem Fall. Und wir konnten einige interessante Ergebnisse zusammentragen.“ Entscheidend sei, dass die Schüler auf das Projekt vorbereitet seien und die Gruppe nicht zu groß werde.

ITS-Historikerin Dr. Susanne Urban, die die Schülergruppe mit betreute, wird Anfang Januar noch mal für einen Projekttag nach Wolfhagen reisen. Die Resultate der Geschichtswerkstatt sollen in eine Ausstellung einfließen, die im Februar 2011 in der Filchner-Gesamtschule Wolfhagen zu sehen sein wird.